Das Politskunk
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Auf gepackten Koffern

Nachdem ich in dem Jahr meiner hiesigen Präsenz mit myblog nicht besonders zufrieden war, habe ich mich heute entschieden, zu einem anderen Anbieter zu wandern. Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um eine dauerhafte Angelegenheit, dieser Blog hier wird also nicht weiter aktualisiert.

Ich möchte meine Leser und, sofern vorhanden, Fans bitten, mir nun anderswo zu folgen.
Die neue Adresse lautet:
http://stripedstar.blog.de/
29.10.10 01:17


Pädophilie - Laßt die Hunde los!

An dieser Stelle gehe ich einmal ein Thema an, das ich sonst ganz gerne meide. Es scheint gerade wieder einmal gesellschaftlich etwas stärker im Mittelpunkt zu stehen, und irgendwann muß ich, meinem Anspruch an mich selbst nach, auch das ja abhandeln.

Die sexuelle Erregbarkeit für Minderjährige, insbesondere vorpubertäre Kinder, zählt zu den stärksten Tabus, die die deutsche Gesellschaft zu bieten hat, und die Umsetzung derartiger Vorstellungen in die Realität ist zweifellos das am negativsten angesehene Verbrechen. Dieser vorrangig von Männern ausgeübte Straftatbereich widerspricht fundamental dem menschlichen Schutzbedürfnis gegenüber unserem Nachwuchs. Wer sich dagegen wendet, ob nun, in jüngster Vergangenheit, die freischaffende Autorin Steffanie Guttenberg und ein für eher anderes Programm bekannter Fernsehsender, oder aber die NPD, auch diese derzeit wieder verstärkt, kann auf breiteste gesellschaftliche Unterstützung rechnen. Wenn es eine Straftat gibt, bei der das deutsche Recht in der Kritik steht, dann wohl diese, da es keine körperlichen Strafen beinhaltet, die immer wieder gern gefordert werden, und wenn es eine gibt, die die Wiedereinführung der Todesstrafe begünstigt, ist es auch diese.
Ich denke, entsprechende Diskussionsansätze, nicht nur, aber vorzugsweise im "Stammtischbereich", dürften euch allen bekannt sein.

Die nun folgenden Zeilen könnten euer Bild von mir eventuell drastisch verschlechtern, da ich darauf verzichte, mich durch Einstimmen in den Hetzchor beliebt zu machen.

Es ist keinesfalls so, daß man einen sehr großen Einfluß darauf hätte, für welche Art von Dingen man sexuell erregbar ist. Mitunter sind es absurde Dinge, und manchmal leider auch solche, die komplett jenseits der Moral, auch der eigenen, liegen. Im hier besprochenen Fall handelt es sich um letzteres. Pädophile leiden selbstverständlich nicht so sehr unter sich, wie es mögliche Opfer würden, aber mieserabel dürfte es den meisten trotzdem damit gehen, gegen den eigenen Willen für etwas ansprechbar zu sein, das sie und ihr Umfeld für absolut falsch halten, und immer zu hoffen, daß sich das niemals auslebt. Hoffnung Nummer zwei, knapp darunter, wäre diejenige, daß auch niemals jemand etwas davon erfährt, und um gar nicht erst in den Verdacht zu kommen, schimpft man halt bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit und zittert innerlich vor der Gesellschaft, in der man lebt.
Ich garantiere, daß die gerne beschriebenen "gewissenlosen Monster" unter diesem Personenkreis nicht häufiger vertreten sind, als allgemein.

Pädophilie ist keine Entscheidung, es ist eine Strafe.
Was soll man tun, wenn man merkt, daß man auf entsprechende Phantasien anspricht, vielleicht sogar nur auf diese? An wen wendet man sich? Wie verhält man sich?
Mord, Vergewaltigung (Erwachsener), Raub; alles noch irgendwie vermittelbar. Da finden sich sicher irgendwelche Freunde, Bekannte oder Außenstehende. Aber bei einem Thema, das so heftig tabuisiert wird, bleibt eigentlich nur, die Klappe zu halten und die beiden weiter oben erwähnten Hoffnungen zu pflegen.
Verzweifelte Selbstdisziplin und Verschwiegenheit. Kampagnen wie die gegenwärtige rufen mit Sicherheit jedem mit entsprechenden Vorstellungen erneut ins Gedächtnis, daß es keine Alternative dazu gibt. Glückwunsch an die Macher.

Vor einigen Jahren hat die Berliner Charité ein Projekt namens "Kein Täter werden", das sich zwecks Prävention an potentielle Kindsvergewaltiger richtet, gestartet. Endlich eine wirkliche Hilfe für Betroffene in all der Hetze. Hoffentlich gehts weiter so.
DAS finde ich mutig.
16.10.10 01:47


Der kleine Wulffi und das große Palaver

Es war einmal ein König, der hatte am Tage seiner Krönung in althergebrachter Formel dem Volke versprochen, einen jeden seiner Untertanen als gleich zu betrachten und einem jeden König zu sein. Und das Volk jubilierte, wie bei jedem seiner Ahnen, die dies sprachen.
Nun begab es sich, daß im Reiche seit vielen Jahren ein Stamm wohnte, an dem sich Streit entzündete. Ein Wanderprediger, der einst an Höfen gedient, doch von dorten verjagt, sagte dem Volke, daß der Stamm aus bösen Hexern bestehe, die dem Volke und seinen Kindern und Kindeskindern die Dummheit anhexe. Ei, sagten die einen, wußten wirs doch allezeit, laßt sie uns mit Sack und Pack verjagen. Andre deuteten auf den Prediger und sprachen, bös Blut ists, das er bringt, verjagen wir ihn stattdessen.
Bald drauf kam der König des Wegs und sah, wie sein Volk sich stritt, mit dem Stamme in der Mitt, den Blick von Angst und Wut zerfurcht. Da ging er auf jenen zu und sprach: Auch ihr seid mein Volk, und so will ich nun, daß ihr euch verbrüdert und in die Arme schließt mit jenen, die da über euch streiten.
Das hörten die Umstehenden. Und die einen riefen, ein schlechter König ists, die Menschen sind hier fremde und nimmer unsersgleichen, und die andren riefen, ein weiser König ists, der größte seiner Ahnen, zu sagen, daß er aller Menschen König im Reiche.

Und so stritten sie weiter, ob der Stamm verjagt werden solle und der König obendrein, oder ob beiden ein Denkmal gesetzt werde, und viele stimmten in den Streit mit ein.
Und der König ward sich gewahr, daß sein Volk ein streitsüchtiges war und weinte bitterlich und haderte mit seinem Los.

So sie nicht gestorben sind, so streiten sie noch heute, doch der König starb bald darauf an Gram.


Die Moral von der Geschicht? Wenn jemand sagt, daß er überparteilich und jedem verbunden ist, ist das erst mal toll. Wenn sich das dann konkret zeigt, ist es kontrovers.
Strikt nach Partei- und Weltanschauungsgrenzen wird der Präsident in diesen Tagen entweder verdammt oder in den Himmel gelobt, und daß die Fronten noch vor ein paar Monaten umgekehrt waren, merkt keiner, genauso wie die Tatsache, daß er schlicht und einfach seine Arbeit macht, was weder besonders positiv noch negativ ist.
Keine Sorge, in ner Woche ist schon wieder das nächste Thema am Haken (ich warte immer noch auf ein knuffeliges Tierbaby)

Im Namen eines zutiefst frustrierten Untertans
Euer Politskunk Jerry
6.10.10 20:35


Erwachsene haben ein Motiv - Jugendliche einen Computer

In Bayern fand kürzlich durch eine Frau mittleren Alters ein bewaffneter Amoklauf statt, bei dem neben ihren Familienmitgliedern diverse Dritte sowie letztlich durch polizeilichen Eingriff die Täterin selbst getötet wurden. Gemäß amtlichen Aussagen hätte die Munition noch ein Stück gereicht.
Wider Erwarten ist bislang noch keine öffentliche Debatte darüber ausgebrochen, welchen Einfluß Rockmusik, "Killerspiele" für PC oder Rollenspiele gehabt haben könnten, und welche Maßnahmen man dagegen ergreifen sollte. Allem Erwarten nach wird es auch nicht dazu kommen, und auch die polizeiliche Hausdurchsuchung wird wohl nicht auf diesen Aspekt abzielen. Stattdessen läuft die Spekulation auf Streßsymptome, psychische Erkrankung oder ein komplexes Motivbündel hinaus.

Hier haben wir nun einmal wieder ein schönes Beispiel für öffentlich-mediale Doppelmoral. Verliert ein junger Mensch die Selbstkontrolle in derart fataler Weise, liegt es mit Garantie an diesem ganzen neumodischen Unsinn, den ohnehin kein vernünftiger Mensch versteht. Ist es hingegen bei einem Älteren der Fall, erst recht bei jemandem, der eine nicht ganz niedrige soziale Stellung bekleidet, muß es dafür ernsthaftere Gründe geben. Und wenns kein Mann ist, ist erst recht jedes Erklärungsmodell im Eimer. Schon mal drüber nachgedacht, ob in Erfurt oder Winnenden die Gründe nicht vergleichbar ernster Natur gewesen sein könnten?

Ich will hier ganz sicher keine Mörder rechtfertigen und erst recht nicht glorifizieren, aber eine halbwegs gleichwertige Beleuchtung scheint mir bei so etwas doch angebracht.

In diesem Sinn, auch wenns heut kurz war, euer immer noch nicht amokgelaufenes Politskunk Jerry
20.9.10 19:45


10% Hirnnutzung (schmutzfrei)

Eine gern zitierte Aussage ist diejenige, daß der Mensch nur zehn Prozent seines Gehirns nutzt. Da sich dieser Blog allmählich zu einer Bearbeitung von Mythen und Gemeinplätzen entwickelt, möchte ich auch dies einmal näher betrachten.
Prinzipiell dürfte diese Schätzung einigermaßen richtig sein, eventuell weicht die Realität um ein paar Prozenpunkte ab. Zwischen fünf und fünfzehn liegt man aber höchstwahrscheinlich immer. Nun wird diese Aussage sehr gerne polemisch verwendet (und der eine oder andere Sprecher scheint davon auszugehen, daß das bei ihm nicht so der Fall ist, sondern Vollast herrscht). Nehmen wir einmal einen Vergleich aus der Haushaltswelt zur Hand, um dem entgegenzutreten.

Ich behaupte einmal aus dem Stegreif, daß 0,1% aller Staubsauger in Deutschland benutzt werden. Warum so wenig? Weil die meisten gerade ausgeschaltet sind. An Morgenden von Wochenenden steigt der Anteil, nachts ist er niedriger. Das heißt nicht, daß praktisch keiner jemals angeschaltet wird.
Warum laufen sie aber nicht permanent? Hier kommen zwei Gründe in den Sinn. Erstens fressen sie viel Strom, und zweitens nervt der Lärm. Daher werden sie nur dann genutzt, wenn es darum geht, Dreck zu beseitigen.

Ungefähr so sieht die Sache auch bei unseren Hirnen aus. Ein Teil davon ist gerade aktiv, der Rest macht Pause. Welche Teile gerade in Betrieb sind, hängt vom Bedarf ab.
Der Stromaspekt läßt sich direkt übertragen. Das Gehirn ist ein unheimlicher Energiefresser, und schon das bißchen, das wir jeweils nutzen, macht ein Drittel des Körperbedarfs aus. Rechnet man das jetzt hoch, wäre mindestens die vierfache Menge täglicher Nahrungsaufnahme (vorzugsweise in Form von Zucker, den mögen unsere grauen Freunde) notwendig. Wer möchte, darf das jetzt gerne auf seinen Tagesrhytmus und sein Budget hochrechnen um zu merken, daß es sich nicht so richtig lohnt, für ein Stück Denkleistung den Planeten leerzufressen.
Aspekt Numero zwei, der "Lärm". Wir sind evolutionär gar nicht darauf ausgelegt, so viel Hirn auf einmal zu nutzen, wie wir insgesamt zur Verfügung haben. Ein Teil wird weiterhin durch die Umweltaspekte und adäquate Reaktionen darauf in Beschlag gehalten, ein weiterer denkt darüber nach, wie man Pi als rationalen Bruch gestalten könnte, der Gegenüberliegende überlegt sich, ob eigentlich Kaugummi eine gute Erfindung ist, daneben macht sich einer Sorgen, wie es mit dem krebskranken Charakter der gestrigen Soap weitergeht, ganz ein anderer konzentriert sich beunruhigt auf den seltsamen Schmerz im linken Oberschenkel und so weiter. Ein bißchen wie ADHS, nur noch schlimmer. Diese Menge an Denkleistung, erst recht, wenn sie dauerhaft besteht, führt zwangsläufig dazu, die Grenzen des eigenen Körpers in Richtung Wahnsinn zu sprengen.

Ob auch andere Teile unserer Staubsaugermetapher passen könnten, wie etwa verstopfte Filter oder Abnutzungserscheinungen, könnten vielleicht Neurologen beantworten, aber ich denke, es genügt auch, es für den Moment dabei zu belassen.

Abschließend kurz zusammengefaßt, würden nicht die meisten Nervenzellen in unseren Schädeln irgendwie gebraucht, dann gäbe es sie nicht, und wäre es rationaler, daß mehr arbeiten, wäre auch das der Fall. Wir hatten ein Stück weit Zeit in der Evolution, das halbwegs auszubalancieren. Nehmt es so hin, und nutzt als nächstes mal wieder ein anderes Zehntel.

Frei aus dem Rückenmark getippt, euer Politskunk Jerry
6.9.10 08:24


Eigentor auf dem rechten Flügel

Auf die Aussagen des ehemaligen Politikers Sarrazin bin ich vor einer Weile schon eingegangen und möchte das prinzipiell nicht wiederholen. Da es in der Thematik auch gegenwärtig keine Neuigkeiten seinerseits gibt, sondern nur die schriftliche Wiederholung mündlicher Aussagen, sehe ich das auch nicht als nötig an.
Was erwähnenswert wäre, ist die Reflexhandlung seitens der Partei NPD, die die Äußerungen begrüßt und ihn zu einer Parteimitgliedschaft einlädt. Das könnte nicht nur sondern wird nach hinten losgehen, wenn er darauf eingeht (und in dem Fall möchte ich es mal hoffen).
Das Feindbild dieser Person sind mitnichten wie gern falsch dargestellt Muslime (deutsche Konvertiten mit hohem Bildungsgrad würde er wohl sogar positiv sehen), sondern Menschengruppen, denen er eine pauschale intellektuelle Minderwertigkeit unterstellt (von der er, wie erwähnt, Erblichkeit annimmt, was zu einem eindeutigen Rassismus führt). Unter diese fallen in seinem Weltbild Einwanderer aus bestimmten Regionen (andere wiederum nicht), Personen mit niedrigem oder ohne Schulabschluß, Langzeitarbeitslose, usw.
Nun ist es so, daß, z.T. strukturbedingt, die beiden letztgenannten Gruppen einen signifikanten Anteil der Mitglieder- und Wählerschaft dieser Partei ausmachen. Diese Menschen werden von Sarrazin gehaßt und als existenzielle Bedrohung Deutschlands angesehen.

Ich muß zugeben, irgendwie amüsiert mich die Vorstellung, daß Sarrazin auf einer Wahlkundgebung in Sachsen fordert, daß statt der "dummen Arbeitslosen" doch gefälligt mehr "osteuropäische Juden" in Deutschland leben und Kinder bekommen sollen.

Ja, ich denke, im rechten Spektrum hätte man sehr viel Spaß mit diesem Rassisten und seinen als "unbequeme Wahrheiten" umschriebenen Haßparolen, den man jetzt so sehr umwirbt.


Euer in den Augen des Genannten zu vermutlich 95% minderwertiges Politskunk Jerry
26.8.10 23:24


Ein Konzern ist böse, und alle schimpfen mit

Das Unternehmen Google plant, Bilder zu machen. Bilder aus Städten. Bilder von Häusern, in denen Bürger wie du und ich wohnen. Und das ohne zu fragen. Ein Affront gegen die Öffentlichkeit, gegen Privatsphäre und Menschenrechte. Wer will sich da schon die Frage stellen müssen, was daran jetzt eigentlich neu ist, was es von der frühneuzeitlichen Malerei, von Photographieaufnahmen der Jahrhundertwende, von dem, was taglich in Zeitung und Fernsehen vor sich geht, unterscheidet. Es ist schließlich Google, das da an den Pranger gestellt wird, der unerbittliche Datenkrake, der uns alle aussaugen will. Dafür dürfen auch gerne ein paar gesetzliche Verbote geschaffen werden.
Privatsphäre endete bislang an der Haustür, und Häuserfassaden waren kein Geheimnis, sondern etwas, das aufgrund allgemeiner Sichtbarkeit auch gerne mal als Symbolbild gezeigt werden durfte.
Was passiert wohl, wenn hier tatsächlich eine Stimmung und eventuell sogar Gesetzeslage entsteht, die ein Hindernis darstellt? Ist der allsonntagliche Tatort noch möglich, ohne bei jeder Panoramaaufnahme oder Kamerafahrt gleich sämtliche Anwohner zu fragen, ob sie es als zulässig empfinden, daß ihr Haus kurzzeitig im Bild auftaucht? Nachrichten von Naturereignissen, wie sie gegenwärtig in Sachsen stattfinden?

Die freie Presse tritt gegen Google ein, und damit, ohne es zu merken, gegen sich selbst. Und Frau Aigner schwimmt mit dem Strom und streitet tapfer dafür, daß das die verdienten Folgen hat.
12.8.10 20:38


Krakenzeit

Vor einer Weile habe ich hier einen Beitrag mit dem Namen "Wahrsagen leichtgemacht" hinterlassen. Mir scheint nun eine schöne Gelegenheit zu bestehen, dem ein Beispiel zu geben.
Ein Meerestier in einem deutschen Aquarium hält derzeit die Fußballwelt in Atem. Scheinbar ist es fähig, jedes Spiel der deutschen Mannschaft bei dieser WM korrekt vorherzusagen. Hier greift der erste Absatz meines erwähnten Beitrages. Betrachten wir die Faktenlage.

Der Krake hat bislang sechs Treffer in Folge gelandet. Sofern man davon ausgeht, daß bei den Gruppenspielen ein dritter Behälter für ein Unentschieden bereitgestellt wurde, wäre das eine Quote von 1:216, also knapp ein halbes Prozent. Sollte er in jedem Fall auf Sieg oder Niederlage getippt haben, wäre es sogar 1:64, also fast zwei Prozent.
Trotzdem nicht schlecht für einen Kraken, wenn es denn nur einer wäre. Wie viele Tier- und sonstigen Orakel habt ihr zu dieser Weltmeisterschaft gesehen? Wie viele, glaubt ihr, gibt es weltweit? Ich würde sagen, wenn wir hier auf tausend tippen, die ihre Vorhersagen seit WM-Beginn machen, haben wir eine halbwegs realistische Zahl. Nun sind bei durchschnittlich 29 von 30 während der Vorrunde bereits Fehlvorhersagen aufgetreten; diese Vertreter hatten also niemals eine Quote, die einen Aufenthalt im Rampenlicht rechtfertigte. Dazu kommen nochmals die drei Viertel der Methoden, deren Länder bereits vor dem Viertelfinale ausgeschieden sind; wo also das Interesse daran, vielleicht trotz richtiger Tips, verlorenging. Statistisch gesehen müßten damit noch ein bis zwei Maskottchen übrigbleiben, die eine weiße Weste und hunderte Kameras auf sich gerichtet haben.
Et voila, einmal Tintenfisch ohne alles.

Euer Prophezeihungsskunk Jerry

P.S.: "Wir" werden zum zehnten Mal Fußball-Weltmeister, und keiner feiert. Versteh einer die Leute...
9.7.10 14:28


kurze Fußballprognose

In den medialen Meldungen dieser Tage, die sich neben den typischen Sommerlochfüllern auch mit dem Nationenwettbewerb im Fußball beschäftigen, trifft man immer wieder auf Vorhersagen von Menschen, die einen gewissen Teil ihrer Lebenszeit darauf aufwenden dürften, zu orakeln wie dieses oder jenes Spiel ausgeht. Diesmal wurde nun endlich die skandalöse Ausgrenzung von Nichtwirbeltieren überwunden (wobei manche wohl sagen würden, daß auch schon frühere Kommentatoren kein nachweisbares Rückgrat besaßen), und ein sympathischer Achtarm zeigt allseits, wie man Partien richtig im Voraus analysiert.

Was ein Oktopus kann, kann ein Stinktier schon lange, daher hier nun meine, mit ein paar Hilfsmittelchen erreichten Erkenntnisse für die morgige Paarung zwischen Spanien und Deutschland:

Mein dartpfeilwerfender Schimpanse ist zu dem Ergebnis gekommen, daß das Spiel sich nach dem dreiunfünfzigsten Elfmeterschützen (das sind dann die Fahrer der Teambusse) zugunsten von Deutschland entscheidet, während die Netzstruktur meiner Zimmerspinne auf einen Meteoreinschlag im Verlauf der zweiten Halbzeit (ca. 65.-70. Minute) hindeutet, der das Stadion auslöscht, was ein Unentschieden bedeuten würde.
Andererseits habe ich per Bleigießen und Deutung des Schwalbenfluges herausgefunden, daß die französische Mannschaft kurz vor Anpfiff das Spielfeld stürmt, simultan gegen beide Teams spielt und gewinnt, und auf diesem Weg doch noch ins Finale kommt.

Ich kenne das Internet gut genug, um zu ahnen, daß ich bei keiner dieser Prognosen der erste bin, der sie stellt, aber falls es so kommt, könnt ihr ja trotzdem sagen, daß ihr es hier zuerst gelesen habt. Falls nicht, möchte ich auf die Unberechenbarkeit des Fußballs hinweisen, die auch so sehr auf der Hand liegende Ereignisse noch über den Haufen wirft, und der auch um Futter begierige Exsportler und Meerestiere nicht immer gewachsen sind.
Ihr solltet aber bedenken, daß ich in diesem Blog noch niemals ein WM-Halbfinalspiel zwischen diesen beiden Mannschaften falsch vorhergesagt habe, also eine Fehlerquote von 0% besitze.

Mit diesem Frustfoul grüßt euer Politskunk Jerry
6.7.10 17:16


Kleineres zweier Übel?

Wenn diese Zeilen erscheinen, ist der bisherige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff zum nächsten Bundespräsidenten der Republik gewählt; die Ernennung folgt demnächst.
In einer unerwartet langen und gespaltenen Wahl konnte er sich gegen die Kandidaten Joachim Gauck, Luc (Lukrezia) Jochimsen und Frank Rennicke durchsetzen, die letzteren beiden lediglich in den ersten zwei Wahlgängen angetreten und infolge ihrer Parteibindung und politischen Standpunkte ohne realistische Erfolgschance.

Unangenehm an dem Sieger und Kandidaten von CDU, CSU und FDP ist mir insbesondere die Tatsache, daß er sehr eng mit der Tagespolitik verbunden ist. Das Amt des Ministerpräsidenten, der stellvertretende Parteivorsitz und diverse andere Ämter legen nahe, daß hier eine überparteiliche Tätigkeit erschwert und mit geringerer Glaubwürdigkeit versehen sein wird. Mindestens das erste Jahr seiner Amtszeit wird dadurch stark belastet werden. Zudem ist sein politischer Standort natürlich relativ weit von meinem entfernt.

Eher noch weiter entfernt ist der Standpunkt des zweiten als Favoriten gehandelten Kandidaten, der gemeinsam von SPD und B90/Grüne eingebracht wurde.
Die Kritik an der Linken, sich diesem Kandidaten nicht anzuschließen, wird primär auf dessen Tätigkeit in der Behörde zur Aufarbeitung der MfS-Unterlagen fokussiert. Hierbei gilt es zu bedenken, daß Herr Gauck aber auch außerhalb des Zeitraumes von 1990 bis 2000 existierte und seine Fußspuren hinterlassen hat. Er ist stark auf den Liberalismus orientiert und lehnt die Linke offen und deutlich ab. Insbesondere die letzten Wochen haben hier ein schlechtes Bild beider Seiten gezeigt.
Ich weiß nicht, ob es Mitglieder der Linken waren, oder aber Herr Gauck, die mit der zurückliegenden Schlammschlacht begonnen haben, aber es hat für beide kein gutes Bild hinterlassen. Zudem hat der Kandidat zu jedem Zeitpunkt gezielt auf Signale gesetzt, die mit der SPD schwer, mit der Linken gar nicht vereinbar wären. Dieser Präsident wäre ein Spalter gewesen, der die Gesellschaft aufteilt in schwarze und weiße Schafe.

Hätte ich prinzipiell zwischen beiden Personen zu wählen gehabt, ich hätte mich (nach langem Zögern) für Wulff entschieden, wohl entgegen dem Trend, der in der deutschen Öffentlichkeit vorzuherrschen scheint. Nicht weil ich Wulff so sehr mag, nicht, weil ich da durch meinen Standpunkt zur DDR beeinflußt wäre, sondern einfach, weil er noch vergleichsweise gemäßigter ist.
Schwierig wird die Angelegenheit dadurch, daß in dieser Wahl auch Fragen der Regierungspolitik eingeschlossen sind. Ist ein Engagement für Gauck eines, das eine meiner Meinung nach schlechte Regierung schneller beendet, eines, das auch eine rot-rot-grüne Perspektive (die ich klar befürworte) weiter stärkt?

Zwei Kandidaten aus dem liberalen Lager, und der schlimmere wird von der nahestehenden Partei benannt. Ich beneide die Wahlpersonen der Linken sicher nicht.

Euer relativ mehrheitsloses Politskunk Jerry
30.6.10 21:16


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