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Vorbildlich repräsentiert

An dieser Stelle ein paar Zeilen, die mir schon seit längerem durch den Kopf schwirren, aber noch nicht die Zeit und Nerven gefunden haben, sich in Buchstaben umzusetzen.
Im Zusammenhang mit einem ruppigen Angehen eines Mitarbeiters im Rahmen einer Pressekonferenz Herrn Schäubles hatte ich jemandem gegenüber erwähnt, der dies sehr kritisiert hat, daß ich nur von einer Person in der deutschen Politik ein moralisch orientiertes und korrektes Vorgehen erwarte, dem Bundespräsidenten, der damals, wenn ich mich nicht täusche, seit kurzem Herr Wulff war, während bei Ministerien keine Vorbildlichkeit des Amtsträgers von Bedeutung sein sollte, sondern effizientes, funktionales Handeln und ausreichend Autorität innerhalb der Strukturen.
Eine halbe Stunde später bin ich ins Grübeln gekommen, nicht über letzteres, sondern über den erstgenannten Teil. Einmal mehr stoßen wir auf zwei Erwartungen, die sich eigentlich vollständig ausschließen; die Aussage, daß der Bundespräsident Repräsentant und Vorbild sein soll.

Ein Repräsentant zeichnet sich dadurch aus, daß er die Repräsentierten im großen und ganzen darstellt, also die im jeweiligen Zusammenhang relevanten Eigenschaften personifiziert, abbildet oder vertritt.
Ein Vorbild zeichnet sich durch Überdurchschnittlichkeit in einem Bereich oder insgesamt aus, durch Leistungen oder Persönlichkeitszüge, die der Durchschnitt in diesem Maß nicht besitzt und denen er nacheifern kann (streng genommen heißt das, daß ein Vorbild, das seine Funktion erfüllt, keines mehr ist).

Ein Musterschüler ist vorbildlich, aber nicht repräsentativ, für einen Durchschnittsschüler gilt das umgekehrte. Beides zugleich geht nicht.
Erwarten wir nun von politischen Figuren, seien es Parlamentarier oder Landesoberhäupter (auch Gewerkschaftsfunktionäre fallen vermutlich darunter), daß sie sowohl repräsentieren als auch Vorbild sind, ist diese Forderung unmöglich. In der Praxis scheint es so, daß die Rolle als Vorbild öffentlich und medial als die wichtigere bewertet wird, während die Repräsentativität zu vernachlässigen ist. Nichtsdestotrotz findet sich auch immer wieder der "einer von uns"-Nimbus.
Schwierig für mich, hierbei einen eigenen Standpunkt zu bilden, mich vollständig für eins von beidem zu entscheiden. Eventuell würde eine weiter Ämtertrennung helfen. Mein Gedanke, den Bundespräsidenten zu losen, gefällt mir weiterhin.


P.S.: Wenn jemand daß Gefühl haben sollte, daß die Qualität meiner Einträge spürbar nachläßt; dem stimme ich zu. Irgendwie bekomme ich seit einer Weile keinen guten Text mehr auf den Bildschirm, und mein Verlangen, mich überhaupt mit Politik zu beschäftigen, läßt nach.
27.2.12 19:55


Aus präsidialem Anlaß

Seit die Fehler, Dummheiten und Lügen des kürzlich abgetretenen Bundespräsidenten Ende des letzten Jahres berichtet wurden, hatte ich die Befürchtung, daß, wenn er in nächster Zeit zurückträte, kein Weg mehr an Joachim Gauck vorbeiführt. Um dem irgendwie entgegenzuwirken, habe ich zu Jahresanfang eine Nachricht an die SPD geschickt, die ich der Einfachheit halber mal zum Teil hier einstelle (ungefähr die Hälfte betrifft eher das Thema Präsidentenwahl im allgemeinen).

"Sollte dieses Jahr, was ich wie Sie nicht hoffen möchte, das dritte in Folge sein, das eine Wahl des Bundespräsidenten beinhaltet [an dieser Stelle hat mich mein Zeitgefühl getäuscht], möchte ich Sie bitten, auf eine erneute Aufstellung Joachim Gaucks zu verzichten.

In der Vergangenheit bis in den "Wahlkampf" hinein (und meinem Eindruck nach sogar intensiviert) hat Herr Gauck gezeigt, daß seine Sichtweisen nur sehr schwer mit denen der Sozialdemokratie vereinbar sind und er keine Scheu hat, das offen zum Ausdruck zu bringen. Da weiterhin der Anspruch bestehen sollte, mit sozialdemokratischen und sozialistischen Standpunkten einen bedeutenden Anteil der Bevölkerung darzustellen, wäre die Repräsentativität eines solchen Präsidenten anzuzweifeln.
Desweiteren besteht die offene Feindseligkeit Herrn Gaucks gegenüber der Partei "Die Linke" fort, natürlich bedingt durch sein persönliches Schicksal, aber wie ich glaube durch deren Entwicklung inzwischen nicht mehr gerechtfertigt. Angesichts dieser starken Antipathie traue ich Herrn Gauck nicht zu, diejenige Überparteilichkeit zu finden, die von dem Amt erwartet wird.
Zum Dritten muß ich befürchten, daß Herr Gauck, ähnlich wie schon Herr Köhler, kein Verständnis für die verfassungsgemäßen wie gewachsenen Schranken hat, die dem Amt gesetzt sind und sich als mitregierende Instanz begreift, sich tagespolitisch einmischt und Gesetzesunterzeichnungen von persönlichen Interessen abhängig macht (ich rechne es, im Gegensatz zu anderen Betrachtern, Herrn Wulff positiv an, daß er solche Einmischungen vermeidet).

Ich muß zugeben, daß ich, obwohl ich mich politisch links verorte, im letzten Jahr erleichtert war, daß Herr Wulff und nicht Herr Gauck die Wahl für sich entschieden hat, und durch dessen Integrationsrede hatte ich mich auch bestätigt gefühlt. Die jetzigen schweren Fehler ändern für mich nichts daran, ihn immer noch in Relation für den besseren Amtsinhaber der beiden zu halten."

Es sieht sehr stark danach aus, daß meine Bedenken nicht geteilt wurden. Die SPD wird durch den wohl kaum noch abzuwendenden Präsidenten zur Genüge Gründe erhalten, ihre Entscheidung stark zu bereuen. Und ich weiß nicht, ob es mir "lieber" ist, er richtet das Amt zugrunde, indem er drin bleibt, oder indem er ebenfalls vorzeitig geht.
19.2.11 21:57


Karnevalspräsident Seehofer?

Christian Wulff ist zurückgetreten, etwas, das ich als wohl einer von wenigen bedauere, da ich mit seiner Amtsführung bis zum Ende des letzten Jahres einigermaßen zufrieden war, auch hier wohl als jemand, der einer Minderheit angehört. Die Suche nach einem möglichen Nachfolger läuft; den Versuch, dies parteiübergreifend zu regeln sehe ich positiv, auch wenn bedauerlicherweise Die Linke übersehen wurde (die ich motiviert habe, sich trotzdem weiter als gesprächsbereiter Partner zu zeigen).
Ich muß befürchten, daß man sich letztlich auf Joachim Gauck einigt, den ich, genauso wie vor zwei Jahren, einfach nicht als fähig betrachte, dem Amt gerecht zu werden und bei dem ich ein ähnliches Fiasko von Einmischungen, Voreingenommenheiten und Anfeindungen erwarte wie bei Horst Köhler. Meine Bitte an die SPD vor ein paar Wochen, die nun aktuell geworden ist, nicht nochmals auf diese Person zu drängen, die einen großen Teil der Bevölkerung, nicht zuletzt auch die Anhängerschaft der SPD selbst, nicht repräsentieren kann und will, und die mit den offensiven Äußerungen über die Demonstrationen des Herbstes diesen Faktor auch eindrucksvoll belegt hat, sind nicht beachtet worden, wie es scheint. Bleibt nur die Hoffnung, daß im Konsens doch noch ein anderer Kandidat gefunden wird, auch wenn die meistversprechenden schon abgelehnt haben.
Vorerst jedenfalls steht dem Land der Bundesratspräsident vor, derzeit Horst Seehofer, und das könnte ein unerwartetes Problem darstellen.

Am Mittwoch finden die (von mir weiterhin abgelehnten) politischen Kundgebungen zum Aschermittwoch statt, eine Faschingstradition der Beleidigungen und Ausfälligkeiten, der Fäkalrhetorik. Als Parteivorsitzender der CSU, die in dieser Hinsicht schon immer eine besondere Auffälligkeit an den Tag gelegt hat, ist Herr Seehofer selbstverständlich fest eingeplant.
So ziemlich alle Ansprüche, die an den Bundespräsidenten gestellt werden, werden in einer solchen Veranstaltung mit Füßen getreten. Wenn der Präsident an diesem Tag dort anwesend ist und womöglich eine derartige Rede hält, wie man sie erwartet, brauchen wir uns um den nächsten keine Sorgen mehr zu machen. In diesem Fall ist das Amt endgültig und dauerhaft vernichtet.

Ich habe Herrn Seehofer eindringlich gebeten, kurzfristig abzusagen, um eine politische Institution, die in den letzten fünfzehn Jahren genügend gelitten hat, nicht noch weiter zu beschädigen, genauso wie sich selbst. Wenn das, was von einer Bundespräsidentschaft in Erinnerung bleibt, eine typische Aschermittwochsrede ist, wird Lübcke problemlos als bislang schlechtester Amtsinhaber überboten. Hoffen wir auf einen Hauch politischer Vernunft im Narrentreiben unserer Tage...
19.2.12 11:03


Kurze Betrachtung zu Harry Potter

Die Serie der Märchenromane der "Harry Potter"-Reihe begann vor etwas mehr als zehn Jahren und hatte, später auch in verfilmter Form, einen für Kinderbücher und generell literarisch ungewöhnlich großen Erfolg. Angesichts der Verkaufszahlen und des Fanverhaltens läßt sich wohl auch von einem Trend- oder Modephänomen sprechen, wenngleich ich hoffe, daß möglichst viele der Leser auf diesem Weg auch zu anderen Werken und Genres gefunden haben. Meiner instinktiven Vermeidung von Herdenverhalten entsprechend habe ich das Thema für lange Zeit komplett gemieden. Vor ungefähr einem Jahr und unter dem Eindruck, daß die Aufregung sich nach Ende der Reihe gelegt hat, habe ich mich zumindest einmal über den Wikipediaartikel auf den nötigen Informationsstand über ein gesellschaftlich relevantes Thema gebracht.
Es gibt manches, was mich mit diesen sporadischen Kenntnissen dazu bringen kann und wird, auch weiterhin das direkte Leseerlebnis zu meiden. Zum einen bin ich erziehungsbedingt etwas weniger auf europäische Märchen geprägt und gönne russischen und arabischen Werken mindestens genausoviel Raum, wenn mir einmal danach ist. Zum anderen stört mich der stumpfe Dualismus mit passendem moralischen Ausklang (das als Argument an diejenigen, die sich an der Einordnung als Märchen stören), der schon fast Grimm'sche Züge annimmt. Hier die Guten, da die Bösen, beide klar unterscheidbar. Erstere werden belohnt, letztere bestraft. Zwischen schwarz und weiß ist in diesem Weltbild wenig Raum, und soweit ich sehe, gibt es zum Schluß auch niemanden, den man nicht in eine der beiden Sparten einordnen könnte.

Ein weiterer Aspekt der Bücher bringt uns nun zweifelsfrei auf die politische Ebene und rechtfertigt den Eintrag an dieser Stelle. In großen Sozialwesen bilden sich Strukturen, eine Entwicklung, die auch bei einer wohl etwa hundert Schüler umfassenden Schule der Fall ist. Im Fall der Zauberschule der Märchenreihe sind diese Strukturen schon im groben vorgegeben und werden nicht in Frage gestellt. Zur Erläuterung für die Leser, die noch weniger mit dem Werk vertraut sind als ich, möchte ich sagen, daß, vielleicht im allgemeinen typisch für britische Internate, eine Einteilung in sogenannte "Häuser" besteht, Untereinheiten der Schülerschaft, die einen weitgehend geschlossenen Verband ermöglichen und das dauerhafte soziale Umfeld darstellen. Die Einteilung in diese Häuser, vier an der Zahl, erfolgt anhand der Einschätzung charakterlicher Merkmale und visionärer Fähigkeiten einer jedem Neuling kurz aufgesetzten Hut-Kreatur.
Ich könnte nun Namen nennen, aber ich glaube, die Umschreibung führt uns weiter, daher liste ich die Gegebenheit auf diese Weise auf: Es gibt das Haus, aus dem die Helden kommen, das Haus, aus dem die Schurken kommen, dasjenige für Kanonenfutter (vergleichbar mit den "Rothemden" der Star-Trek-Reihe), und das für unterhaltsame Trottel und Totalversager (die literarische Figur des Hanswurst kommt vielleicht auch in den Sinn, aber dafür fehlt zumeist die Bauernschläue). Der namensgebende Held der Reihe wird selbstverständlich in das erste der Genannten eingeteilt (wobei er die, seltene, Wahl hatte, sich auch dem Zweiten anzuschließen, also böse zu werden), ebenso alle anderen bedeutenden Protagonisten jenseits der Lehrerschaft.

Die gesellschaftliche wie auch, auf der Metaebene, literarische Funktion jedes Schülers ist somit vom ersten Schultag an festgelegt. Proteste, ganz zu schweigen von deren Erfolg, sind mir nicht im Gedächtnis. Ein allwissendes Wesen weist Kindern ihren weiteren Lebensweg zu. Diese tritt auch ein.
Ein interessantes Szenario. Fassen wir das Helden- und das Schurkenhaus zusammen, ergibt sich so etwas wie eine mittelalterlich-säkulare Ständeordnung aus Fürsten, Rittern und Bauern. Ich empfände es als durchaus wissenswert, auf welche Weise die verschiedenen Klassen (im schulischen wie marxschen Sinn) auf ihre Rollen vorbereitet; wie sie darin eingeführt und gefestigt werden. Informationen dazu habe ich keine, und ich nehme an, die Autorin beschränkt sich hierbei auch auf das Heldenhaus, in dem H. Potter und seinen Gefährten die heroische Geschichte und die damit verbundenen Werte vermittelt werden.
Die zu erwartende erhöhte Selbstmordrate im Haus der Versager tritt nicht ein, obwohl sie von jedem als solche behandelt werden und das Phänomen des Mobbings gut aufzeigen. Die Führungsrolle der Heldengemeinschaft im späteren Handlungsverlauf wird nicht von den Kämpfern in Frage gestellt. Die Rollen werden akzeptiert. Verinnerlicht. Gelebt.

Die meinem Eindruck nach reizvollste Randfigur ist ein Junge aus dem Haus der Versager, der genauso wie H. Potter die Voraussetzungen aufweist, "der Auserwählte" zu sein. Die Autorin nutzt ihn, um ein Exempel zu statuieren, indem sie ihn zu einer lachhaften Parodie Potters aufbaut, dessen weiterer Lebensweg als belanglos gelten darf. Er hatte einfach nicht das Zeug zu mehr - aber ab wann? Hier kommt die Frage ins Spiel, ob Prägung oder Veranlagung bei einem Menschen mehr bewirkt, etwas, das ich immer vehement zugunsten des ersteren beantworten würde. Wären also Potter und der andere Junge den jeweils anderen Häusern zugewiesen worden, ich glaube, ihre gesamten Rollen wären umgekehrt gewesen.

Die Autorin verzichtet auf einen dramaturgischen Kniff, gegen Ende der Reihe einen Außenseiter zum Helden werden zu lassen, während derjenige, der von Anfang an prädestiniert und vom Schicksal begünstigt schien, in der Bedeutungslosigkeit versinkt und behält den offensichtlichen Weg bei. Ein ungewohnter Schuß Realismus für ein Kinderbuch und ein Kontrast zu der Maxime, man könne unabhängig von den eigenen Voraussetzungen alles erreichen, was man will. Zugleich ist die Botschaft auch eine lähmende, da gegenüber einem festgefügten System aus Königen und Fußvolk kein revolutionärer Aspekt, auch nicht in kindgerechter Form, eingebracht wird, sei es nun ein erfolgreicher oder scheiternder. Am Ende hat sich nach dem Fall des Erzbösen nichts geändert und es geht weiter wie gehabt.

Politisch gesehen zielt das Werk auf ein resigniertes Lumpenproletariat ab, das sich mit dem zufriedengibt, was ihm zugestanden wird. Wir alle bekommen irgendwann unseren Hut aufgesetzt. Die Frage ist jedoch, ob das reine Überleben wirklich das einzige Ziel sein sollte.
12.2.12 17:45


Angela Merkel - kein Kommentar?

In diesen Tagen ging meine periodische Korrespondenz einmal an einen ungewohnten Empfänger, das Bundeskanzleramt. In einem wie ich hoffe sachlichen Ton habe ich klargemacht, daß ich in Bezug auf die Lage Griechenlands kein Potential mehr für Reformen sehe und die bisherigen angesichts der zunehmenden Meldungen über bedrohliche Zustände im Gesundheits- und Sozialwesen wie auch den totalen Zerfall der Ökonomie schon als zu weitgreifend betrachte. Daran angeschlossen war die Frage, was man sich denn seitens der Regierung und der Kanzlerin vorstelle, wenn man weiterhin Reformen fordere, sofern man das Land nicht auf Jahrzehnte in den Bedarf für Entwicklungshilfe treiben wolle.

Die Antwort kam zu meiner Überraschung bereits am nächsten Tag, und den Schlüsselsatz möchte ich hier einstellen:
"Leider ist es wegen der Vielzahl der an Frau Dr. Merkel gerichteten E-Mails und Schreiben nicht möglich, Ihnen individuell zu antworten. Ich würde mich freuen, wenn Sie dafür Verständnis haben."
Es folgte noch eine Empfehlung, mich an das Finanzministerium zu wenden.

Ich bin nun manches gewohnt, Formmails, das Warten über viertel oder halbe Jahre auf Antwort, das offensichtliche Nichtlesen meiner Aussagen, politische Werbung... aber in dieser Form abgeschmettert zu werden ist eine Frechheit. Ich bemühe mich schon darum, die passenden Empfänger zu wählen, aber bei einem Punkt, in dem die Kanzlerin nun eindeutig einen großen Teil des Engagements und der Initiative auf sich nimmt, wäre es ja wohl auch diese, an die man sich wenden sollte.
Das ist eine erbärmliche Form der Öffentlichkeitsarbeit; es stellt sich die Frage, weshalb überhaupt ein Kontaktformular auf der Seite existiert. Solange Frau Merkel weiterhin Bundeskanzler ist, werde ich mich nicht wieder an diese Institution richten.
8.2.12 00:31


Plädoyer für "Hartz4"

Im Jahr 2004 wurde, in Umsetzungen der Empfehlungen des Unternehmensvorstandes Peter Hartz, nach drei anderen Änderungen eine vierte grundlegende im System der Arbeitslosenpolitik durchgeführt. Es handelte sich um die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zu einem neuen, eher an der Sozialhilfe orientierten Modell. Der gesellschaftliche Protest war enorm und relativ langanhaltend. Im Zuge dessen fand auch die zu dieser Zeit etwas stagnierende PDS wieder verstärkten Zulauf, wie auch eine zeitweilige Konkurrenz in der SPD-Abspaltung WASG.
Ich war damals im Grunde für diese Reform, bin es weiterhin, und habe zu meiner Überraschung festgestellt, daß ich weder dies noch die Argumentation hier hinterlassen habe. Das hole ich jetzt mal nach.

Das Konzept der vormaligen Arbeitslosenhilfe beruhte darauf, einen bestimmten Prozentsatz des letzten regulären Einkommens für die Dauer der Arbeitslosigkeit auszuzahlen. Bis zu einem gewissen Höchstbetrag findet, nach Auslaufen des Arbeitslosengeldes, eine dauerhafte Versorgung entsprechend der zurückliegenden Leistung statt.
Um das auf ein Beispiel zu bringen, wenn ein Krankenhaus schließt, und ein Stationspfleger und ein Oberarzt das Pech haben, über Jahrzehnte keinen anderen Beruf mehr zu finden, wird auch dann noch letzterer mehr erhalten als ersterer. Das Konzept der Einkommensklassen wird reibungslos fortgeschrieben, selbst wo kein Einkommen mehr besteht.
Die Sozialhilfe fand bei denjenigen statt, die kein vorheriges ausreichendes Einkommen vorweisen konnten. Beantragung erfolgte monatlich, wobei der Regelsatz deutlich unter dem lag, was man später mit ALG2 erhielt. Wohngeld war, je nach Region, eventuell seperat zu beantragen.
Nehmen wir nun also einen Menschen, der es in seinem Leben noch nicht geschafft hat, eine sozialversicherungspflichtige Stelle zu finden, wird diesem noch weniger zugebilligt als den beiden oben erwähnten.

Das neu eingeführte Arbeitslosengeld 2 (umgangssprachlich "Hartz4) orientiert sich nominell am Lebensbedarf. Nach der, je nach Lebensalter, ein- bis zweijährigen Phase des Arbeitslosengeldes 1, die neben der möglichen Überbrückung bis zu einer Neueinstellung auch der Anpassung der Lebensverhältnisse an die neue Gegebenheit der Arbeitslosigkeit dienen sollte, erfolgt eine Auszahlung, die nicht mehr an vormaliger Leistung sondern vom Grundgedanken her an dem orientiert ist, was benötigt wird.

Das Bedarfsprinzip gegenüber dem Leistungsprinzip zu bevorzugen, ist ein klassisches linkes Anliegen, und dementsprechend ist von der Grundstruktur her die vierte Hartz-Reform ein Projekt überraschend stark linker Prägung.

Daß dagegen von links angegangen wurde und wird, hat drei Ursachen.
Erstens ist die Umsetzung der Idee schlicht gesagt eine Zumutung. Die angesetzten Leistungen sind vielfach weitaus zu niedrig, die vorgeschriebene "Sicherung des soziokulturellen Existenzminimums" zu gewährleisten, die Möglichkeit zum Lohndumping durch Zuverdienst- und Aufstockungsmöglichkeiten integriert, worauf auch die amtlichen Forderungen, welche generell oft unnötige Härte aufweisen, hinzielen, und die später eingeführte Möglichkeit zu Kürzungen, welche bis zur erzwungenen Obdachlosigkeit und Noternährung durch Lebensmittelmarken führen, verfassungsrechtlich bedenklich (wenngleich es unter Vorbehalt gebilligt wurde). Daraus leitet sich vielfach eine Ablehnung des Gesamtkonzeptes ab.
Zweitens ist nicht zu unterschätzen, daß aus strukturellen und mentalen Gründen die Gewerkschaften Deutschlands heutzutage leider von Facharbeitern dominiert werden. Diese Personengruppe ist diejenige, die unter der Veränderung potentiell die stärksten Einschnitte erlebt. Wenngleich lobenswerterweise zumindest die Großgewerkschaften DGB und VerDi sich bemühen, sämtliche Teile der arbeitenden Bevölkerung wie auch Arbeitslose in ihrem Auftreten zu repräsentieren, ist doch eine bevorzugte Orientierung an der Stammklientel vorhanden; bei Elitegewerkschaften wie derjenigen der Piloten ohnehin. Daher besteht dort in wesentlichen Teilen eine Ablehnung des Konzeptes; über den Gewerkschaftsflügel der damaligen PDS und besonders über die gewerkschaftsbasierte WASG auch in die Linke eingeflossen.
Und drittens ist natürlich zu erwähnen, daß sich das Thema sehr gut eignete, Stimmungen zu mobilisieren und auf sich zu vereinigen, sowie heftige oppositionelle Kritik zu üben, was der Linkspartei.PDS 2005 auch nach Zwangspause den souveränen Einzug in den Bundestag gewährleistete.

Den erstgenannten Punkt teile ich, sehe es aber als tiefgreifendes Problem in der Umsetzung, das durch wesentliche Änderungen am derzeit bestehenden System zu behandeln ist, nicht als Grund, dieses komplett abzuschaffen.
"Hartz4" ist als Grundkonzept sozial, jedenfalls bei weitem sozialer als die Unterteilung und Versorgung von Langzeitarbeitslosen nach denen, die mal viel und denen die mal wenig verdient haben. Für "Hartz4" einzutreten ist eine durchaus linke Position. Das versuche ich, der vormaligen PDS und heutigen Linken immer wieder mal zu vermitteln, bislang noch ohne Erfolg.

Wenn es aus dem Reformbündel eine gibt, gegen die es sich anzukämpfen lohnt, dann "Hartz2", die Abschaffung der Zumutbarkeitsregelungen.
27.1.11 14:03


Aus tausendundeiner Siesta

In den letzten Jahren nimmt die Häufigkeit meiner erinnerbaren Träume zu, auch und gerade derjeniger, die sich aus meinem doch gerne mal durchgeführten Nachmittagsnickerchen ergeben. Wie die meisten träume auch ich vorzugsweise von Dingen, die nahe an meiner Lebenswelt liegen, gerade auch Ideen für Computerspiele, die oft auch nach dem Aufwachen noch ihren Reiz haben, verfangen bei der Zockerseele. Persönliches Umfeld und Filmdramaturgie haben auch ihren Platz.
Heut war es mal wieder eine kurze Sequenz, die eher zum Themenbereich meines Blogs hier paßt.

Ich habe eine arte-Dokumentation geträumt, die den nördlichen Orient betrachtete - zu meiner Überraschung eine Umschreibung Europas. Durch die Westverschiebung des kulturellen und politischen Zentrums der Welt, sozusagen des Weiterwanderns Hegelschen Weltgeistes, in den letzten hundert Jahren paßt das Selbstverständnis, selbst im Mittelpunkt zu stehen, nicht mehr, ebensowenig die alten Begrifflichkeiten. Wir sind abseits aller Migrationsfragen zu Morgenländern geworden. Genauere Herangehensweisen an diese Aussage, die unter anderem die Befreiung Algeriens von Frankreich umfaßten, sind mit dem Aufwachen naturgemäß nur noch neblig und rudimentär in meinem Kopf, aber vielleicht kann ichs wieder erarbeiten.
Eine interessante und irgendwie faszinierende Begriffsfrage (die mit der Entwicklung Chinas schon wieder den nächsten und für uns rückgängigmachenden Schritt gehen könnte), die im Alltag zu vergessen ich auch damit verhindern möchte, daß ich sie hier niederschreibe. Vielleicht verwerfe ichs letztlich, vielleicht wird es auch zum nächsten kleinen Baustein in meiner Weltsicht. Träume können auch jenseits des metaphorischen eine politische Komponente haben. Ich hoffe, ihr schlaft manchmal ähnlich konstruktiv.
Ohne sich das obligatorische "I had a dream" verkneifen zu können, Euer Politskunk Jerry
16.1.12 18:06


Schluß mit politischem Narrentum

Anders als mancher bei dem Titel vermuten könnte, widme ich mich heute noch nicht der Amtsführung des Bundespräsidenten (vielleicht schreibe ich zu einem späteren Zeitpunkt hierzu noch etwas). Stattdessen hat mich die letzte, etwas schlafarme Nacht gedanklich zu dem Thema geführt, dessen ich mich in den nächsten Wochen nebenbei annehmen möchte.
Die folgenden Zeilen haben eben den Fernsehsender phoenix erreicht:

"Die Erfahrung zeigt, daß die politischen Veranstaltungen der politischen Parteien am Aschermittwoch der Karnevalszeit keinen positiven Beitrag zur politischen Kultur oder Bildung leisten. Es handelt sich bei den vorgetragenen Reden, gleich welcher Partei, um aggressive Anfeindungen auf unterstem Niveau ohne jeden konstruktiven Inhalt, die, selbst wenn sie nicht auch auf diesem Weg entstanden sind, doch an den alkoholgeschwängerten Konventionsverzicht der Vortage anknüpfen.
Schwere Beleidigungen der politischen Konkurrenz sind an diesem Datum alltäglich, nachträgliche Anzeigen häufig. Das Bild, das dem, im wörtlichen wie übertragenen Sinn, nüchternen Betrachter übermittelt wird, zeigt eine zänkische, boshafte und scheinbar ungebildete politische Klasse, deren einziges Ziel es ist, allen anderen eins "auszuwischen".
Hierdurch wird Politikverdrossenheit vorangetrieben und zielführende Diskussion über Sachthemen verhindert. Durch mediale Präsenz, insbesondere der skandalträchtigsten Ausschnitte, wird das Verhalten noch gefördert.
Einem Sender wie Ihren, dem die Vermittlung von Politik an die Bürger ein besonders starkes Anliegen sein sollte, wäre zu empfehlen, sich von solchen voraussehbaren Schlammschlachten fernzuhalten.

Ich möchte Sie daher bitten, wenn schon nicht dauerhaft, dann doch zumindest probeweise in diesem Jahr, demonstrativ auf die Übertragung des "politischen Aschermittwoch" zu verzichten, und anstelledessen ein anspruchsvolles Gegenprogramm in Form von politikwissenschaftlicher Analyse oder ausgewählten historischen Parlamentsreden zu senden, um die Akteure zur Vernunft zu mahnen."

Vergleichbare Schreiben mit der Bitte darum, die eigene Veranstaltung abzusagen, haben die Bundestagsparteien von mir erhalten, ausgenommen CDU und CSU, deren "Traditionsbewußtsein" das wohl vollständig verhindern würde. An weitere Beteiligte (Fernsehnachrichten, Informationsradiosender) wende ich mich zu einem späteren Zeitpunkt, eventuell bitte ich auch das Bundestagspräsidium um ein paar mahnende Worte.

Mein Vorhaben ist sowohl banal als auch mit wenig Erfolgsaussicht versehen, aber versuchen möchte ich es allemal. Ich habe mir lange genug die politische Unkultur am Ende der Faschingszeit angetan, und wenn sich mir die Möglichkeit bietet, gegen diesen Mißstand vorzugehen, dann will ich das tun. Ich will keine Parteigrößen, die glauben, hin und wieder wäre Stammtischniveau schon okay, weder bei denen, die ich unterstütze, noch beim Rest. Und wenn nur eine Seite des Kaspertheaters ausschert, hat der Rest, wenn der Suff verflogen ist, zumindest etwas zum Nachdenken.
10.1.12 19:09


Sie müssen nur den Nippel durch die Lasche ziehn...

Heute mal wieder nur ein Kurzeintrag
Über die Jahre habe ich einige Skurilitäten gesehen, was die Notwendigkeit angeht, Anleitungen beizulegen. Über längere Zeit war mein Favorit eine mehrseitige Bedienungsanweisung für einen Dosenöffner. Das wurde abgelöst, als eine gedruckte Erklärung für eine Steckdosenleiste in meinen Besitz gekommen ist. Es scheint, als bräuchten manche Zeitgenossen tatsächlich angesichts tiefer Unsicherheit Hilfe in verschiedenen, leicht wirkenden Lebenslagen Unterstützung und Bestätigung.
Das alles ist aber heute nochmals überboten worden. Eine Anleitung für ein Fahrradschloß ist zwar nicht alltäglich, aber doch noch im Bereich des Verständlichen. Absurd wird es, wenn der Schlüssel eine seperate Anleitung besitzt, die am Schlüsselring angebracht ist.
Ich bin so frei, kurz auszugsweise zu zitieren:

Zum Öffnen den Schlüssel gerade unter leichtem Hin- und Herdrehen einstecken und um 180° im Uhrzeigersinn drehen.
Den Schlüssel nie gewaltsam drehen.
Beim Abziehen den Schlüssel nie hin- und herdrehen.

Auf diese Weise zieht sich das weit genug, um ein Heftchen zu füllen. Das Leben hat seine humorvollen Momente.
27.12.11 18:17


Im Tod sind alle Menschen gleich?

In der letzten Woche sind der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Havel und der faktische Diktator der VR Korea Kim Yong Il gestorben. Die Qualität ihrer Regierungen unterscheidet sich sehr stark, und denjenigen aus dem fanatisch linken Bereich, die hierzulande den nordkoreanischen Herrscher schon zu Lebzeiten glorifizierten und dies nun um so stärker tun, kann ich kein Verständnis entgegenbringen.
Was sich allerdings ebenso deutlich unterscheidet, ist einmal mehr das öffentliche und medial vermittelte Moralverständnis.

"Nur Gutes über die Toten" lehrt man hierzulande, eine Lektion, die auch bei mir trotz ihrem eigentlich fehlenden Sinn (ich nehme an, der Ursprung liegt darin, die Geister nicht erzürnen zu wollen) Spuren hinterlassen hat. Auch juristisch besteht mit der Figur der schützenswerten Totenehre eine entsprechende Regelung. Im Fall Havels wird auf all das offensichtlich Rücksicht genommen; die Nachrufe umfassen neben ehrlichem Bedauern auch Wohlwollen und klammern Probleme aus. Im Fall Kims... weniger.
Die berechtigte Kritik an der Regierung, die nach diesem Prinzip schon grenzwertig wäre, wird ergänzt durch Häme und Bosartigkeit. Seit Beginn der Todesberichte habe ich mehrere Teaser für Texte gesehen, die sich mit vorgeblichen seltsamen Hobbys und Perversionen des Diktators beschäftigen. Auch anscheinend seriösere Berichterstatter kommen nicht daran vorbei, ihre grundsätzliche Freude zu zeigen, daß ein Mensch gestorben ist.
Ergänzt wird der Spaß, kaum daß die Leiche kalt ist, durch Spekulationen über Krieg und Drohungen an das Land.

Es sind nur zwei beliebige Beispiele, herausgegriffen, weil sie zeitlich in der unmittelbaren Nähe liegen und den Kontrast gut verdeutlichen. Ein weiterer Fall, der mir zeigt, daß ich trotz aller Bemühungen nie ein wirkliches Verständnis für menschliche Konventionen entwickeln werde; ein Anreiz, es um so mehr zu versuchen. Gewöhnlich ist das Genre des Witzes, hier des privat vorgetragenen, dasjenige, dem Konventionsdruck entgegenzuwirken und frischen Toten den Nimbus abzunehmen. Wie aber steht es, wenn sich die Konvention verkehrt? Und wann tut sie das? Wo liegt die Grenze, ab der Kadavertrauer nicht mehr Pflicht sondern Verstoß ist, an der der Totenspott zur Bürgerpflicht wird? Das Beispiel Filbinger zeigt, daß nicht einmal weitgehende Eindeutigkeit vorherrscht. Vermutlich wäre der regelmäßige Test in der Praxis der einzige Weg, dazu wirklich Erkenntnisse zu sammeln, aber da habe ich doch angesichts zu erwartender starker Ablehnung noch meine Scheu.

Vielleicht frag ich mal im soziologischen Forschungsbereich nach. Bis dahin gilt angesichts der Unsicherheiten für mich, weiterbeobachten und im Zweifel "de mortuis nihil" - kein Wort über die frischen Toten, ob sie nun ein eher gutes oder schlechtes Lebenswerk hinterlassen.


P.S.: Danke an Herrn Schader für die Artikelempfehlung vor einigen Tagen, die mir einen für meine Verhältnisse dramatischen Leserstrom beschert hat.
21.12.11 15:16


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