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Pseudowissenschaftlicher Unfug

Eine der grundlegenden Lektionen, die man bereits sehr früh beim wissenschaftlichen Arbeiten lernt, besteht darin, auf welche Art man eine Theorie oder Prämisse aufstellt. Das Erklären von Korrelationen und Kausalitäten, und welche Aussagekraft sich daraus schließen läßt. Im allgemeinen haben derartige Aussagen entweder die Form "Wenn...dann" oder "Je...desto". Eigentlich handelt es sich um das selbe Prinzip, mit dem man bereits im Mathematikuntericht bei der Stochastik arbeitet. Schauen wir mal, wie man das nicht machen sollte.

Seit ungefähr zwanzig Jahren ist in der Nähe der Wissenschaften wieder eine Tendenz im Gang, die man in der westlichen Welt eigentlich für ausgestorben gehalten hatte, die Bemühung, die Entwicklung des Kosmos im allgemeinen und der Menschheit im speziellen durch das Wirken eines Gottes zu erklären. Der "Kreationismus", oder auch "Intelligent Design", geht davon aus, daß die Prozesse, die zur Existenz der Erde und ihrer Bewohner geführt haben, zu komplexer Natur sind, um allein aus naturwissenschaftlichen Gesetzen erkärt zu werden, und postulieren stattdessen, daß ein übergeordneter Wille die Verantwortung dafür trägt. In gewisser Weise wird ein biologischer Determinismus durch einen spirituellen ersetzt.
Bekannt über die Grenzen der Fachwelt hinaus wurde das Konzept, als sich die Schulbehörde des US-amerikanischen Bundesstaates Kansas Ende der 90er entschloß, es in den offiziellen Schullehrplan aufzunehmen (und sich damit zum Gespött der gesamten westlichen Welt machte).
Die wissenschaftliche Fundierung dieser These ist, trotz aller Beteuerungen der Vertreter, praktisch nicht vorhanden. Es gibt, abgesehen von den religiösen Dokumenten und sogenannten Visionen, keinen Beweis für die Existenz eines übergeordneten Wesens, erst recht keinen, der einer wissenschaftlichen Prüfung standhalten könnte. Ein nach dem Urknall stattgefundener Einfluß einer wie auch immer gearteten höheren Macht ist in keiner Weise nachweisbar.

Da diese Disziplin ihre eigenen Thesen nicht nachweisen kann, konzentriert sie sich darauf, andere, insbesondere die aus den Schriften Darwins abgeleitete heutige Evolutionstheorie, zu hinterfragen und in problematischen Punkten zu kritisieren. Ich bin sicher niemand, der den kritischen Umgang mit einer wissenschaftlichen Theorie, auch einer solchen, die bereits als weitgehend belegt gilt, nicht zu schätzen wüßte. Zweifel sind ein wesentlicher Motor der Wissenschaft und treiben die Forschung voran. Zweifel und Kritik sind wissenschaftliche und legitime Methoden.

Das Problem ist, wie diese Kritik von diesem Personenkreis genutzt wird, und damit sind wir wieder bei der Einleitung. Nehmen wir an, wir haben die Aussage: Wenn A, dann nicht B. Nehmen wir ebenfalls an, es liegt Nicht-B vor. Was sagt uns das über A? Gar nichts. Hierin liegt der grundlegende methodologische Fehler des Kreationismus.
Es wird von der durchaus richtigen Aussage ausgegangen: "Wenn ein Gott die Welt und die Menschheit in ihrer heutigen Form erschaffen hat, hat keine Evolution stattgefunden." Als nächstes werden Hinweise darauf gesammelt, daß die Evolution im bisherigen wissenschaftlichen Sinn nicht stattgefunden hat, also zumindest scheinbar die Aussage untermauert "Es hat keine Evolution stattgefunden." Auch noch okay. Aus dieser Aussage wird der Schluß gezogen "Gott hat die Welt und die Menschheit..."
Und das, Freunde, ist unwissenschaftlicher Schwachsinn.

Aus der Aussage, daß die Evolution im heutigen Sinn nicht stattgefunden hat, lassen sich viele Alternativtheorien aufbauen. Die naheliegendste und von der Forschung bevorzugte besteht darin, daß die Evolution dann eben auf eine etwas andere Weise vor sich gegangen ist. Oder aber es gibt in keinster Weise eine zielgerichtete Entwicklung irgendeiner Art, und jeder ist Produkt des Zufalls. Auch könnte es sein, daß unser Planet von Außerirdischen erschaffen wurde. Und natürlich, auch eine Gottheit kommt als Einfluß in Frage. Ein Gottesbeweis ist eine Widerlegung der Evolution, selbst wenn sie vollständig gelänge, beim besten Willen nicht. Um die Richtigkeit einer Theorie zu bestätigen braucht es nicht die Verneinung einer anderen, sondern Belege.

Es ist nicht schlimm, daß durch die Bewegung des Kreationismus die Wissenschaft zum um- und neudenken gedrängt wird, im Gegenteil. Wenn die Debatten einen in Erkenntnisgewinn in irgendeiner Form bringen, ist es das auf jeden Fall wert (auch wenn mir hier sicher einige Forscher, die eine Auseinandersetzung in diesem Fall als unsinnig betrachten, widersprechen würden). Schlimm sind andere Dinge. Der Kreationismus in seiner heutigen Form ist keine Wissenschaft, sondern eine Ideologie. Trotzdem verkauft er sich als wissenschaftlich und beschädigt damit den Ruf der gesamten Zunft. Schlimm ist zudem, daß Evolutionskritik, wo sie von Wissenschaftlern artikuliert wird, in der Öffentlichkeit zunehmend mit diesem Konzept assoziiert wird, auch wenn sie das gar nicht ist. Die Gefahr, mit dieser Strömung gleichgesetzt zu werden, könnte Forscher von Kritik abhalten, was fatal wäre.

Kreationismus ist eine Pseudowissenschaft mit verschwörungs-theoretischem Charakter, und nicht mehr als das.
Und abschließend noch ein kleines lustiges Beispiel, wohin dieses Denkmuster führen könnte:
Es ist unbestreitbar, wenn ein Auto kaputt ist, fährt es nicht. Der Kreationist nimmt also folgerichtig an, daß alle Autos, die nicht fahren, zum Beispiel weil sie geparkt sind oder an einer roten Ampel stehen, kaputt sind.

In diesem Sinne, ketzerische Grüße.
Euer Politskunk Jerry
24.11.09 15:07
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Ernst Anders (24.11.09 23:30)
blog wurde zur kenntnis genommen *schonmal mistgabel und fackeln holt*

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