Das Politskunk
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Augustinus aktuell betrachtet

In Spätantike bzw. Frühmittelalter verfaßte der Theologe Augustinus, der später zum Heiligen ernannt wurde, zahlreiche Schriften, die in Westeuropa zu einem Halt in einer ansonsten dort doch eher philosophenarmen Zeit wurden. Eine seiner Aussagen, die bereits Platon getätigt hatte, bestand darin, daß das Schöne zugleich das Wahre ist, genauso wie das Häßliche das Falsche. Man könne also aus dem Äußeren eines Menschen auf seine Fähigkeiten, seinen Charakter, letztlich seinen Wert schließen.
Nachdem ich die Häßlichkeit bereits in einem früheren Artikel thematisiert hatte, wenden wir uns einmal dem anderen Extrem zu.

Der amtierende Bundesverteidigungsminister Karl Guttenberg ist zweifellos ein Mensch, der von den meisten Personen als gutaussehend und mit einer starken Ausstrahlung versehen betrachtet wird. Zugleich ist er seit einiger Zeit einer der beliebtesten Politiker der Republik. Dies kann man auf verschiedene Gründe zurückführen. Die starke Unterstützung durch diverse Medien, die mit dem Adel verbundene Idealisierung und Romantisierung oder eben das Äußere. Um im Kontext des Eintrages zu bleiben, bevorzuge ich hier jetzt mal letzteres als Haupterklärung.
Politisch ist die bisherige Leistung dieses Mannes in seinen Ministerien wohl bestenfalls als mau zu bezeichnen. Den internationalen wirtschaftlichen Problemen stand er nicht weniger hilflos gegenüber als sein Vorgänger, und die einzige nennenswerte Aktion seiner Zeit als Wirtschaftsminister, die "Opelrettung", endete in einem Fiasko. Als Verteidigungsminister scheint er bei dem gegenwärtigen Krieg gar keine Strategie zu kennen, fällt gelegentlich (wenn auch seltener als seine Kollegen im Kabinett) durch extrem abwegige Aussagen auf, und hat den paradoxen Terminus der freiwilligen Pflicht erfunden.
Nichts davon konnte auf längere Dauer negative Spuren an seinem öffentlichen Bild hinterlassen, wie das gewöhnlich der Fall wäre. Da politische Beliebtheit immer auch ein Maßstab der Kompetenzzumessung ist, muß man davon ausgehen, daß er für viele Bürger als hochgradig fähig gilt. Was hat er neben seinen Patzern noch gemacht (bzw. machen lassen), um das zu rechtfertigen?

Fotos.
Dieser Mann hat ein Gespür dafür, wie er es schafft, auf den Seiten von Illustrierten gut auszusehen, ob nun beim Handschlag mit Industriegrößen oder beim Aussteigen aus Militärhubschraubern (oder auch beides auf einmal bei entsprechenden Präsentationen). Gerade zum Kontrast zu einer äußerlich deutlich weniger begünstigten Kanzlerin sticht das sehr ins Auge, und so kann es auch kaum überraschen, daß er wiederholt als potentieller Nachfolger in nächster Zukunft gehandelt wird.
Sein gutes Aussehen wird vielfach mit guter Politik gleichgesetzt. Ob das in Zeiten, in denen Ministerialpolitik neben der Leitung primär eine Darstellungsfrage ist, eine Berechtigung hat, möchte ich nicht beantworten müssen. Jedenfalls scheint hier ein Bedürfnis nach einer als besser empfundenen Politik über das Äußere eines Menschen angesprochen und befriedigt zu werden.
Das Schöne ist das Gute ist das Wahre. Weil er gut aussieht, muß er folgerichtig ein guter Mensch sein, der das richtige tut.

Mich hier mit den Vor- und Nachteilen (es gibt beides) einer solchen politischen Welt auseinanderzusetzen, würde jetzt den Rahmen sprengen; vielleicht mach ichs irgendwann. Für den Moment soll die Aussage reichen, daß mich die Tendenz besorgt, genauso wie die dramatische Überhöhung, die das ganze nimmt. Eigentlich fehlt nur noch eine Wunderheilung. Und es juckt mich in den Fingern, bei einem Auftritt des Ministers im Rollstuhl vorzufahren und nach einer Weile mit dem Aufschrei "Ich kann wieder gehen!" aufzuspringen.

Es wurde oft gesagt, daß der Nimbus beim ersten deutlichen Versagen verfliegt. Er ist es nicht, und ich glaube, er wird es auch für eine ganze Zeit nicht tun, egal, was dieser Mann von sich gibt oder tut. Politik baut in unserer Kultur auf Emotion auf, und somit auch auf dem Schluß, daß das, was wir als schön empfinden, richtig sein muß.

Euer, dem Aussehen nach zu urteilen, vermutlich eher böses Politskunk Jerry
20.11.10 15:49
 


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