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Total gaga? Das Lady-Gaga-Phänomen

Seitdem ich das Internet benutze, fühle ich mich über populärkulturelle Themen informiert, ein unangenehmer Zustand, wie ich sagen möchte. Ich lebe nicht mehr in meiner kleinen Informationsblase, deren Zugang ich komplett reguliere, sondern erfahre über Verlinkungen und Agenturmeldungen zumindest rudimentär auch Dinge, die mir Aufmerksamkeit nehmen, welche bei anderen Themen besser aufgehoben wäre, und mir das Hirn verkleistern. Ich weiß inzwischen um die Existenz der Bild-Zeitung, ein Printprodukt, das ich, bis ich zwanzig war, noch nicht einmal vom Namen her kannte (und wie ich nachträglich sagen kann, ohne daß das ein Verlust gewesen wäre), ich habe einen ungefähren Überblick über aktuelle Kino- und Buchphänomene wie die derzeit im Trend liegende Vampirsaga Twilight (Rezensionen zufolge ebenfalls nichts, dessen Nichtkenntnis mich irgendwie belastet hätte), könnte eventuell sogar einige Namen von Schauspielern und Musikern sagen, die gerade berühmt, gestorben oder beides sind, und bei ein paar Leuten weiß ich nur, daß sie überhaupt für irgendetwas ziemlich bekannt sind, ohne daß ich wüßte, wofür (hierunter fällt insbesondere eine gewisse Paris Hilton, von der ich vor ein paar Jahren mal gehört habe).

Irgendeine der letztgenannten Kategorien umfaßt auch eine Sängerin namens Lady Gaga, wenngleich ich nach meinem Informationsstand vermute, daß sie noch am Leben ist. Wie der Künstlername (es ist doch einer, oder?) ausdrücken soll, handelt es sich um eine Musikerin, die durch ihre Unkonventionalität auffallen möchte und in dieser Art auch medial aufgenommen wird. Die Aussage, daß sie skandalös, geschmacklos, einzigartig oder ausgesprochen seltsam ist, läßt sich in den meisten Fällen in Neuigkeiten über diese Person finden. Nun gut, ich bin niemand, der ein Ausbrechen aus eingelatschten Pfaden im künstlerischen Bereich nicht zu schätzen wüßte, also war meine Neugier zumindest schon mal ansatzweise geweckt. Entsprechend habe ich auch kürzlich die Ohren gespitzt, als in einem dieser scheußlichen Radiosender, die ich während meiner wochentäglichen Tätigkeiten zu hören gezwungen bin, dieser Name für den Interpreten eines der nächsten Titel angesagt wurde.
Es hat nichts gebracht. Weder konnte ich aus der Machart eines Titels irgendeine Form von kreativer Neuheit heraushören, noch war die Besetzung stimmlich oder instrumental aufsehenerregend. Da ich trotzdem davon ausgehe, daß in dem gräßlichen, zu(/weg-)höreroptimierten Brei aus Rock, Pop und gelegentlichem Rap auch diese Sängerin enthalten war, bleibt nur die Vermutung, daß es sich um eine Masse von Fehlmeldungen handelt, oder sich das skandalträchtige Auftreten auf das Privatleben beschränkt. Ich war jedenfalls nicht fähig, mir auch nur einen Titel länger als fünf Minuten zu merken.

Es bliebe als weitere Möglichkeit noch, daß wieder einmal das Maß an Auffälligkeit allein in dem visuellen Auftreten in Musikvideos und Konzerten besteht, ein Verhalten, das mir, wenn man von einer vorrangigen Verbreitung über CDs und Radiosender ausgeht, ziemlich sinnlos erscheint, das mir aber schon mehrmals über den Weg gelaufen ist. Ich sehe niemals Musikvideos an; Musik ist für mich eine akustische Angelegenheit, daher kann ich es nicht bestätigen oder ausschließen.
Ich würde nur auch in diesem Fall nicht verstehen, was das soll. Wenn man sich als Musiker offensiv darum bemüht, als nonkonformistisch, als rebellisch oder merkwürdig wahrgenommen zu werden, wäre dann nicht die Musik selbst ein Aspekt darin, den man nicht mindestens mit einschließen sollte? Warum auf der Bühne Hamster verbrennen, wenn das, was man zu hören bekommt, am besten auf einen Heimatsender paßt? Warum sich mit dem Image des Skandalrockers schmücken und dann doch nur die gleichen zweieinhalb Riffs spielen wie alle anderen? Schrille Kostüme und seichte Liebeslieder - warum?

Es gibt Beispiele, wie es anders geht, Knorkator wäre eines. Ein weiteres, das mir in Zusammenhang mit der Genannten in den Sinn kam, ist eine Sängerin, die noch vor meiner Geburt für Aufregung sorgte, mit ihrem Gesangsstil und ihren Texten, Nina Hagen. Beides Fälle, die, wie ich glaube, auch mit kommerziellem Erfolg verknüpft sind. Eigentlich war ich davon ausgegangen, daß wir in einer Zeit leben, die zunehmend schrille Töne braucht, um Aufruhr zu erreichen, aber wenn schon ein seltsamer Name und ein schräges Musikvideo ausreichen, auch über ein Medium Geltung zu erlangen, das beides nicht vordergründig vermitteln kann, täusche ich mich da eventuell. Verstehen tue ich es trotzdem nicht.

Vielleicht sollte ich zukünftig meine Texte hier tippen, während ich eine Clownsperücke trage, dafür aber keine Hose oder Unterwäsche. Dann werde ich als Skandalblogger bekannt, und täglich lesen hier zehntausende rein. Daß es aus dem Geschriebenen selbst nicht ersichtlich wird, spielt ja anscheinend keine Rolle. (Entschuldigung an diejenigen meiner Leser, die sich das jetzt bildlich vorstellen, ich glaube, ich verzichte doch drauf; habe keine solche Perücke)
"Gaga" ist nicht die Sängerin, sondern die Reaktion auf sie. Irgendwann bekomme ich vom permanenten Kopfschütteln über diese Welt noch ein Hirntrauma.
30.10.11 05:27
 


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