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Netzdiktator Anonymous

Vor einiger Zeit habe ich mich bereits einmal über die Hackervereinigung Anonymous ausgelassen, damals vom nichtvorhandenen Rechtsverständnis und Unrechtsbewußtsein aus betrachtet. Konzentrieren wir uns heute, einmal mehr aus aktuellen Gründen, etwas mehr auf Auftreten und Wirkung.
Es läßt sich inzwischen wohl zweifellos sagen, daß es sich bei Anonymous um eine in ihren kriminellen Handlungen primär politisch orientierte Vereinigung handelt. Die Opfer finden sich vorwiegend in politischen und wirtschaftlichen Akteuren, die nach Sicht der Angreifer falsche Handlungen betreiben oder falsche Standpunkte vertreten. Die Reaktion seitens Anonymous besteht im Regelfall in der Zerstörung der Internetpräsenz und Ersetzung durch eigene Pamphlete. Als falsch und vernichtungswürdig werden insbesondere solche Dinge gesehen, die der Meinungsfreiheit oder der Piratenpartei schaden.
Kurz und etwas derb ausgedrückt könnte man es zusammenfassen als "Wer uns nicht paßt, kriegt ein paar aufs Maul." Meinungsfreiheit halt.
Ich fühle mich ein wenig an die frühe RAF mit ihren Brandanschlägen auf Kaufhäuser erinnert. Diese wollte auf dem Weg eine allgemeine Revolution verursachen, ob das bei den Hackern ebenfalls so ist, oder ob sie sich in ihrer Rolle als Kleinarmee ganz wohl fühlt, weiß ich nicht. Stadt- und Netzguerrilla. Die allgemeine Rezeption ist in beiden Fällen eher positiv.

Wenn eine Minderheit ohne Legitimation anderen ihren Willen aufzwingt und dies mit den ihr gegebenen Mitteln ohne Rücksicht auf rechtliche Beschränkungen durchsetzt, spricht man im allgemeinen von einer Diktatur (im Fall, daß es eine Mehrheit wäre es eine demokratische Diktatur). Angesichts des Vorgehens der Hackervereinigung kann man diesen Ausdruck wohl ohne zu zögern nutzen. Im Internet herrscht dank Anonymous in Ansätzen die Willkürherrschaft einer kleineren Clique vor. Wenn die Kapazitäten weiter steigen, bestimmt diese auf Dauer, was veröffentlicht werden darf, und was nicht.
Nun stehe ich, wie regelmäßige Leser wissen, dem diktatorischen Konzept nicht mehr vollständig ablehnend gegenüber, ebenso dem Handeln gegen den Mehrheitswillen. Allerdings, auch das sollte bewußt sein, setze ich für eine gute Diktatur voraus, daß nicht Partikularismen und die persönlichen Vorlieben der Diktatoren maßgeblich sind, und daß eine strikte Beachtung der Rechtsvorschriften besteht. Beides ist in diesem Fall nicht gegeben.

Anonymous identifiziert sich, vorwiegend durch eine Romanvorlage, mit der Gestalt des Guy Fawkes, einer Person, die versuchte, mittels Sprengstoff das britische Parlament auszulöschen. Wer im Erfolgsfall der neue englische Herrscher geworden wäre, läßt sich denken. Namen, Gesichter, irrelevant. Sie könnten genausogut mit Masken von Princip, Stauffenberg oder McVeigh herumlaufen, oder diesem kürzlichen Attentäter aus Norwegen. Was unterscheiden sich da Motive, Methoden, Wahnvorstellungen?

Die junge Generation jubelt ihren anonymen Helden zu, die Das Böse (TM) bekämpfen. Wer die richtigen Standpunkte hat, wer zu den Guten gehört, muß nichts befürchten. Wer heute jubelt, könnte morgen schon zu spüren bekommen, wie schnell man durch etwas, das er für richtig hält, selbst zu den Bösen geworfen wird. Überrollt wird. Und auf keine Unterstützung seitens seiner bisherigen Gesinnungsgenossen hoffen darf.

Im erwähnten Vorbeitrag habe ich Anonymous mit dem "Verbrecher haben keine Rechte" verglichen, das in Stammtischrunden leicht anzutreffen ist. Ich möchte diese Einschätzung geringfügig korrigieren.
Mit ersteren kann man es sich noch mitunter verscherzen. Die Stammtischgenossen reden. Anonymous handelt.
6.11.11 09:38
 


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