Das Politskunk
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Kuscheljustiz

Gestern habe ich mir, nach einigen Monaten des Zögerns (auch 20 Euro sind schon ein spürbarer Betrag) ein Kuschelskunk nach Hause eingeladen, das einsam in der Plüschtierabteilung einer hiesigen Drogerie herumsaß. Ich muß sagen, ich fühl mich mit dem kleinen Längsgestreiften relativ gut; hab ihm die Wohnung gezeigt, ihm ein Stückchen Platz zwischen den Büchern auf meinem Bett freigebuddelt, und im Moment hockt er grad auf meinem Schoß. Das bedenklich gewordene Maß an Aggressivität, das mich in der letzten Zeit immer mehr fertiggemacht hat, macht gerade einmal Pause. Wenn einen diese Knopfäugelchen angucken, kann man einfach nicht lange böse sein. Angesichts meiner deutlichen Schwierigkeiten, engeren Kontakt zu Mitmenschen aufzubauen, und der Befürchtung, ein lebendes Haustier hätte nicht besonders lange diesen Zustand in meiner Umgebung, ist das wohl die beste Wahl als emotionaler Rückhalt.
Nur wäre ich nicht ich, wenn ich diesen Gedanken nicht zu einer abstrusen politischen Idee weiterspinnen würde.

Der deutsche Strafvollzug kann international bereits als relativ gut gelten. Rückfallquoten sind in den meisten Fällen gering, die Resozialisierung funktioniert, den wirtschaftlichen Umständen entsprechend, auch halbwegs, kurz gesagt, die meisten verlassen deutsche Hafteinrichtungen als bessere Menschen, als sie hineingekommen sind. Vielleicht ließe sich hier noch ein weiterer Fortschritt erzielen.

Angesichts der Wirkung auf mich kam mir der Gedanke, jeden Häftling dazu zu verpflichten, ein von der Einrichtung gestelltes (oder auch eigenes, sofern vorhanden) Kuscheltier als Zimmergenossen aufzunehmen. Dieses wäre natürlich auch auf den Zimmerlisten mit eingetragen (namentlich), und der gemeinsame Besuch der Therapiesitzungen wäre ebenso verpflichtend. Die nachdrückliche Ermahnung, es nicht mutwillig zu verletzen, ist genauso selbstverständlich.
Die empfundene Peinlichkeit des Zustandes sollte nach einigen Tagen angesichts der Tatsache verfliegen, daß jeder andere Mitinsasse ebenso eins besitzt. Von da an dürften die positiven Aspekte dominieren.
Sich einem Plüschwesen anzuvertrauen sollte weit weniger Überwindung kosten, als das bei Menschen der Fall ist, wodurch eine eventuelle Verschlossenheit erste Überwindung findet. Negative Emotionen lassen sich in Gegenwart eines Kuschelwesens weit leichter kontrollieren und vermeiden. Mit "Männlichkeit" verbundene Verhaltensweisen; Unnahbarkeit, Kampfeslust, Dominanzstreben, Scheu, Schwächen einzugestehen; die zumindest im Bereich der Gewaltverbrecher eine hohe Verbreitung haben könnten, bekommen auf diesem Weg einen ziemlichen Dämpfer, was dem Besserungsweg klar nutzt. Überhaupt könnte hier eine Gelegenheit für manche bestehen, nach langem wieder die Fähigkeit zu positiven Emotionen bei sich zu finden.
Im Gegensatz zu Gruppensitzungen und Einzelgesprächen spielt sich der Kontakt zu dem Kuscheltier weitgehend in dem ab, was man als Häftling an Privatsphäre besitzt, womit die gefühlte Notwendigkeit, sich oder anderen etwas beweisen zu müssen (was auch immer), entfällt. Der Plüschi petzt nicht.
Es ist die Möglichkeit, eine Bindung aufzubauen, die, anders als vielleicht das vorherige Milieu, nicht zu negativen Handlungen verleitet. Und im Gegensatz zu realen Wesen hat eine anfängliche Unbeholfenheit auch keine so schwerwiegenden Konsequenzen, weshalb es sich als günstiger erweisen dürfte als anstaltseigene Schmusekatzen oder ähnliches (und außerdem ist es billiger).

Ich glaube nicht an naturgegebene Bosheit (oder Güte). Daher möchte ich davon ausgehen, daß sich jeder Mensch unter den passenden Umständen ändern kann. Diese Umstände gilt es so zu schaffen, daß die Änderung in die gewünschte Richtung erfolgt, gerade bei Fällen, deren Fehlverhalten bereits gefängniswürdig ist. Mögen die Stammtische und Hetzforen toben, wie sie wollen, ich glaube, auf einen Modellversuch (bei dem dem Personal deutlich klargemacht werden muß, daß abfällige Kommentare zu unterlassen sind, und das Mitbringen eigener Plüschtiere auch für Wächter und andere Dienste zumindest vorsichtig motiviert werden sollte) könnte man es ankommen lassen. Wenn die ersten Häftlinge ihre Mitbewohner auch freiwillig zum Hofgang oder in Gemeinschaftsräume mitbringen, hat es funktioniert.
Kuscheljustiz für alle!
19.11.11 12:59
 


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