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Nur die besten sterben alt

Jedes Jahr sieht den Tod von Menschen, wie das ein relativ normaler Vorgang in dieser Welt ist. Manche davon gelten als berühmt. Greifen wir zwei aus dem medialen Bereich zufällig heraus, die in diesem Jahr gestorben sind, den Schauspieler Peter Falk und die Musikerin Amy Winehouse. In beiden Fällen wurde der Tod, innerhalb der speziellen Anhängerschaften und auch in weiteren Teilen der Gesellschaft, bedauert und nochmals auf das Lebenswerk hingewiesen, das, wie bei frischen Leichen typisch, weitgehend positiv dargestellt wurde. Entsprechend wurde, zumindest in den Wochen nach dem Tod, bis die Meldung verdaut war, beide als besondere Größen ihrer Zunft dargestellt.
Betrachten wir kurz die Lebenswerke, um hiervon einen Eindruck zu bekommen. Im Fall der Sängerin sprechen wir, wenn ich Wikipedia glauben darf, von zwei Alben-CDs, hieraus noch mehreren Singles und Live-CDs, also optimistisch und grob geschätzt 40 Liedtiteln. Bei dem Schauspieler erreichen wir ein Maß von knapp 50 Filmauftritten, teils als Haupt- oder signifikante Nebenrolle, einer Fernsehserie von einer Staffel sowie als bekanntestem Produkt eine langjährige Reihe von Fernsehfilmen. Die quantitative Lebensleistung spricht hierbei wohl ein eindeutiges Urteil. Qualitativ schwankt die Beurteilung von Künstlern naturgemäß zwischen den Betrachtern massiv, allerdings scheint sich sagen zu lassen, daß beide eher dem Mittelmaß der medialen Bekanntheiten zuzuordnen sind. Der prägende und bleibende Effekt spricht wiederum zugunsten Falks, allein schon aufgrund der längeren Karrieredauer, da insbesondere die Person des Inspektors (oder Lieutenants) Columbo im Massenbewußtsein noch ein Jahrzehnt überdauern und medienwissenschaftlich auf lange Sicht relevant bleiben wird, was von den wenigen Liedtiteln nicht zu sagen sein dürfte.

Weshalb nun, angesichts dieser Umstände, die Tatsache, daß der Tod der Sängerin mindestens als gleich einschneidend, eher mehr, gesehen wurde? Hier spielt das Alter die entscheidende Rolle.
Die Sängerin wird nicht anhand ihrer bestehenden Werke beurteilt, sondern anhand einer fiktionalen Projektion, die auf deren Basis aufgebaut wird und eine stetige Steigerung vorsieht. Oder wie Fans sagen würden "Denk doch mal drüber nach, was noch alles aus ihr hätte werden können". Nun sehen und hören die meisten selten Werke von Künstlern, die diese nach ihrem Tod verfaßt haben (von manchen Spiritisten abgesehen, wo das Niveau dann aber deutlichen Schaden nimmt), daher fehlt die Beurteilungsgrundlage. Möglich, daß Frau Winehouse sich zu einer musikalischen Legende und für kommende Jahrhunderte zum Klassiker entwickelt hätte, ebenso möglich, daß sie den Beruf an den Nagel gehängt und Immobilienmaklerin geworden wäre. Fans vermuten zugunsten des Ersteren, was automatisch zu einer um so größeren Karriere führt, je früher der Tod eintritt.
Nun würde aber, eventuell außer des familiären Umfeldes, niemand sagen, daß wenn der vierjährige Kevin bei einem Autounfall stirbt, mit ihm der größte Autor, Schauspieler; Musiker, o.ä. gestorben wäre. Es scheint also eine Grenze zu geben, ab der die Fiktion funktioniert. Diese Grenze sollte darin bestehen, eine bestimmte Verbreitung und Zahl von Anhängern bereits angesammelt zu haben. Es genau festzulegen ist schwierig, es gibt immer wieder Ausreißer in beide Richtungen, aber das Erhalten eines Preises mit Fernsehübertragung oder der mehrmaligen Präsenz in Boulevardsendungen und -blättern sollte ausreichen.

Fassen wir zusammen, wer in jungen Jahren sowohl positive Bekanntheit erreicht als auch einen frühen, möglichst dazu zeitnahen Tod, gilt aufgrund der Projektion als einer der größten Künstler (alternativ Erfinder, Ökonom, Politiker, usw.) seiner Zeit. Abgesehen vom Sonderfall der Kinderstars sollte das optimale Alter hierfür im Bereich der frühen oder mittleren Zwanziger liegen, um den Fans noch genügend potentielle Lebensjahre zum Phantasieren zu bieten.
Wer alt wird, muß sich den Ruhm hingegen erarbeiten und dafür sorgen, daß ein guter Start in einen dauerhaften Erfolg mündet. Der Sänger Elvis Presley ist ein Grenzfall, alt genug geworden, um einiges an Kunst zu schaffen, jung genug gestorben, um den sich andeutenden Karriere- und Personenverfall nicht das Bild komplett ruinieren zu lassen. Der Schauspieler James Dean hingegen ist ein klarer Fall einer Person, die vom frühen Tod profitiert. Ob und wie die weitere Karriere verlaufen wäre, läßt sich natürlich nicht sagen, aber der bestehende Nimbus ist mit Sicherheit heller als das, was gekommen wäre.
Da ich mir den politischen Ausflug auch bei diesem Thema nicht sparen möchte, weise ich an dieser Stelle auch auf Leo Trotzki sowie, im übertragenen Sinn, Willy Brandt hin.
Ein früher Tod ist Ruhm im Konjunktiv. Wirkliche Leistung findet sich erst in der Dauerhaftigkeit.
Der Liedtitel, der zur Überschrift inspiriert hat, könnte nicht falscher sein.
24.11.11 23:15
 


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