Das Politskunk
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Politische Meinung dem Leithammel nach

Vor, wenn ich mich nicht täusche, zwei Jahren waren zwei politiknahe Themen in vergleichsweise kurzer Zeit mittelpräsent in den Medien.
Bei ersterem ging es darum, daß ein paar Familien die Teilnahme ihrer Kinder am Schwimmteil des Sportunterichts verweigerten und bei Zwang mit Herausnahme der Kinder aus dem Schulsystem androhten. Bei zweiterem ging es um eine Familie, die ihren Kindern bereits seit einem Jahr den Schulbesuch untersagte und sie stattdessen daheim unterichtete. Im ersteren waren die Eltern fanatische Muslime, in zweiterem fanatische Christen. In beiden Fällen ging es um die gesetzliche Schulpflicht.
Und ich war ehrlich überrascht, wie viele Menschen innerhalb kürzester Zeit mit der gleichen Entschiedenheit diametral entgegengesetzte Standpunkte vertreten können.

Wir widmen uns heute kurz einem Thema, das ich schon ein paar mal angerissen habe. Die politische Welt Deutschlands teilt sich auf in Gut und Böse. Man selbst rechnet sich selbstverständlich den Guten zu. Wo allerdings Sachthemen etwas zu kompliziert werden, oder aber zwei, die gestern noch gut oder böse waren, gegeneinanderstehen, richtet man sich dann doch lieber nach denjenigen, von denen man weiß, daß sie auch Gute sind. Das mag die Partei sein, mit der man sich identifitiziert, die ideologisch gefärbte Fernsehsendung oder Zeitung, die man konsumiert, oder aber das persönliche Umfeld. Der Herdentrieb siegt letztlich doch.

In der aktuellen (oder auch schon wieder nicht mehr aktuellen, das weiß ich nicht) Nachrichtenlage haben wir nun Nazis, die Ausländer, vorwiegend Türken, umgebracht haben. Für die Anhängerschaft der CDU und CSU eine schwer zu bewertende Lage, da beide böse sind. Rechnet man mit ein, daß der als gut betrachtete Geheimdienst mindestens indirekt an den Morden beteiligt war, gäbe es wohl eine Tendenz zugunsten dessen. In diesem Fall läßt sich sagen, es ist wohl ein glücklicher Umstand, daß der Bewertung von Partei und Regierung gefolgt wird, die sich klar gegen die Morde stellen.
In anderen Bereichen scheint mir die Linientreue eher störend.

"Die Partei, die Partei, die hat immer Recht", sang man beim MfS zu sozialistischen Zeiten, einer der dämlichsten Liedtexte, die ich mir vorstellen kann. Gültigkeit hat er heute immer noch, nur sind es mehrere Parteien, die unfehlbar sind. Das Beispiel des Stuttgarter Bahnhofs, dessen Umbau nun erfolgen wird, zeigt mir wieder die Beliebigkeit auf. Ein städtisches Bauprojekt, das mit Landes- und Bundesgeldern gefördert wird. Etwas, für das eine Partei eintreten oder gegen das sie sein kann. Der reine Umstand läßt noch keine politische Einordnung zu. Zufälligerweise waren es diesmal CDU und FDP, die dafür, SPD, Bündnisgrüne und Linke, die dagegen waren. Entsprechend haben sich die Reihen der Unterstützer beider Seiten schnellstens auch außerhalb der Stadt im ganzen Bundesgebiet zusammengefunden und ihre Ansichten auf Linie gebracht. Sich die Argumente einstudiert, die ihre Seite vorzubringen hatte. Und kräftig dafür Stimmung gemacht.
Es hätte mit Leichtigkeit auch andersherum sein können, und keiner hätte sich komisch dabei gefühlt.

Ich beteilige mich nicht mehr an politischen Diskussionen in größeren Internetforen. Spätestens sobald die Parteisprecher ihre Stellungnahmen zu einem Thema abgegeben haben, weiß man, wer wo steht und welche Ausdrücke er nutzen wird.
Es geht hier nicht darum, seine Einstellung durch Ereignisse oder als Resultat eines persönlichen Denkprozesses zu ändern (die Ereignisse in Japan im Frühjahr haben bei mir auch dazu geführt, Atomkraft heute anders zu sehen), sondern darum, blind in diejenige Richtung zu dackeln, von der man weiß, daß die eigenen Leute es auch tun. Oder zumindest in diejenige, von der man weiß, daß der "Feind" sie nicht wählt. Auch das ist ein häufiges Konzept, daß man bei allem, was von denen kommt, erst mal aus Prinzip dagegen ist (sofern sie nicht selbst darin zerstritten sind und man eine Spaltung zu bewirken hofft, aber das ist dann schon fortgeschrittenes Niveau).
Mein Bruder sieht sich regelmäßig Bundestagsdebatten an. Ich kann das nicht mehr, genau aus diesem Grund. Bei diesem dämlichen Lagerdenken wird mir schlecht. Kürzlich gab es etwas seit 1990 einmaliges, einen gemeinsamen Antrag aller Bundestagsfraktionen. Wenn man sieht, bei wie vielen Themen das nicht geklappt hat, zu denen prinzipielle Einigkeit besteht, ein weiterer deprimierender Punkt.

Vielleicht ist es (und ich möchte wieder auf die eher private Ebene zurückkommen) nur das Verlangen, das, was man als die eigene Seite sieht, nicht schwach darstellen zu wollen, der Glaube, daß ein monolithischer Block nicht lächerlich und dämlich sondern überzeugend wirkt. Der Glaube, daß jedes Vorhandensein einer zweiten Meinung innerhalb der Gruppe von außen als Zeichen von Schwäche wahrgenommen würde. Medial jedenfalls scheint es so aufgefaßt zu werden, und entsprechend wird darauf trainiert. Zumindest wäre diese Form der Idiotie noch etwas weniger beunruhigend als diejenige, daß tatsächlich vollkommen unreflektiert immer hinterhergetrabt wird.

Früher kamen die Weisungen aus Moskau, was gerade zu denken legitim ist. Heute regeln wir das intern. Und wer morgens FAZ oder taz, Bild oder ND aufschlägt, wer abends Tagesthemen, RTL oder Heute Journal einschaltet, wird ausreichend schnell auf den neuesten Stand gebracht, welche Meinung er jetzt wieder zu haben hat.
Wenn irgendwelche Spinner 1984er-Szenarios durchspielen, dann immer unter der Prämisse, es würde durch eine finstere, anonyme Weltregierung dazu kommen und eine Unterdrückung der Menschen sein. Darauf, daß wir das selbst so einrichten, daß wir "schon immer im Krieg mit Eurasien" waren, kommen sie nicht. Und die selben Mechanismen sind auch bei ihnen zu finden.

Ich bemühe mich, meine Standpunkte nicht danach zu wählen, wer sie vertritt und wer nicht, und ich hoffe, dabei erfolgreicher zu sein als die, die ich hier gerade kritisiert habe. Ob ich es tatsächlich bin, weiß ich nicht.
29.11.11 11:28
 


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