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Was hinten rauskommt, zählt nicht

Essen und Ausscheiden - Beides gehört dem gleichen Gesamtprozeß an, läßt sich also, wie ich denke, ganz gut miteinander vergleichen. Zu essen gilt zwar in den meisten Zusammenhängen als profan und banal, somit in höheren Belangen auch nicht erwähnenswert, aber doch thematisch als tolerierbar. Koten und Urinieren (um mal die formalen Ausdrücke zu nutzen) hingegen wird trotz offensichtlich ebensogroßer Notwendigkeit mit einem relativ starken Tabu belegt und ist neutral allenfalls in medizinischen Zusammenhängen akzeptabel.
In der Kunst, nicht nur in der europäischen, läßt sich diese Belegung des Themas gut beobachten. Literatur, Musik, Malerei, Film; zieht man eine Bilanz dessen, was an Nahrung aufgenommen und an Resten von sich gegeben wird, wäre das Ergebnis für die Beteiligten ausgesprochen ungesund. Von Banketten berichten Chronisten gerne, von Latrinen nicht.
Im sogenannten Neuen Testament der Bibel, das für unsere Kultur ja einige Prägekraft hat, sind einige wenige Gelegenheiten angesprochen, in denen gegessen wird, um Gleichnisse zu illustrieren; daß Jesus sich aber auch mal hinter einen Busch verziehen mußte, wird nicht gesagt. Ähnliches gilt für die Ilias, die ebenfalls ihre Prägekraft hat. Helden und Götter haben keine Verdauung, und alles, was konsumiert wird, wird vollständig in heroische Wunder umgewandelt.
Wo im künstlerischen Bereich das Thema zur Sprache kommt, da häufig, um Barbarismus und Unkultiviertheit zu demonstrieren. Arme verrichten Ausscheidungen, ebenso die jeweiligen Heiden und Ketzer und nationalen Feinde, und den Schilderungen nach tun sie nicht viel mehr als das. Auch in der jeweiligen Verdammnis der Religionen spielt das Thema eine signifikante Rolle. Ein weiterer Aspekt, der das Tabu verstärkt, indem er es als Negativindikator für Gruppen nutzt und umgekehrt über Gruppen negativ damit belegt wird.
Neuzeitlich möchte man eine Lockerung bei der Kunst sehen, die Verwendung von Kot ist gerade im heutigen Theater etwas, das sich von Zeit zu Zeit findet. Aber hier wird ebenso nur auf den Skandaleffekt spekuliert, den die Materie mit sich bringt, das Spiel mit dem "Verbotenen", mithin mit kreischender Plumpheit. Das Tabu wird, indem es so gebrochen wird, doch als solches anerkannt. Normal ist es nicht.
Wer schon einmal Ausscheidungsdrang verspürt hat (und wer hätte das nicht), weiß, daß auch das ein sehr starkes kurzfristiges Handlungsmotiv darstellen kann. Dramaturgisch eigentlich zu stark, um es völlig zu ignorieren, und doch beschränkt sich im Blick auf diesen Punkt die Verwendung in weiten Teilen auf den komischen Effekt. Im allgemeinmenschlichen Beisammensein ebenso.
Die Religionen dieser Welt beten alles mögliche an. Bei den aktuellen scheint diese Form der Reliquie jedoch ebenso gemieden, auch wenn man sich sonst vor keiner Heiligkeit dritten Grades scheut. Wo steckt der Urin Christi, der Kot Mohammeds mit allen Kräften, die ihnen der einfache Intellekt zugestehen würde?

Ich bin in diese kulturelle Gegebenheit hineingeboren und würde ebenso wie fast jeder verwirrt und piquiert reagieren, wenn sich daran etwas ändert. Das hält mich aber nicht davon ab, mich neugierig zu fragen, wie es dazu kommt und was weitere Auswirkungen davon sein könnten. Ist es die Verknüpfung mit dem Genitalen, das aus mir ebenso rätselhaften Gründen als intim und öffentlich tabu gilt? Die eher unangenehm wahrgenommenen Gerüche und Konsistenzen? Die Scheu vor der Verwundbarkeit, die der Moment der Ausscheidung bedeutet? Müßte mich irgendwann mal mit freudschen Analysen beschäftigen, ich glaube, der hat sich des Themas intensiver angenommen.

In einigen Fällen tritt Magersucht durch den Eindruck auf, daß der Prozeß des Essens visuell und aus anderen Aspekten ekelerregend ist (ein Eindruck, der durchaus seine Gründe haben mag; mir selbst würde ich jedenfalls nicht gern beim essen zusehen). Verschiedene Angststörungen bringen auch ein Unwohlsein dabei mit sich, öffentlich zu essen.
Beim Ausscheiden wiederum gilt derjenige als gestört, der so etwas nicht empfindet.

Wir sind schon seltsam dressiert...
8.12.11 01:41
 


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