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Im Tod sind alle Menschen gleich?

In der letzten Woche sind der ehemalige tschechische Präsident Vaclav Havel und der faktische Diktator der VR Korea Kim Yong Il gestorben. Die Qualität ihrer Regierungen unterscheidet sich sehr stark, und denjenigen aus dem fanatisch linken Bereich, die hierzulande den nordkoreanischen Herrscher schon zu Lebzeiten glorifizierten und dies nun um so stärker tun, kann ich kein Verständnis entgegenbringen.
Was sich allerdings ebenso deutlich unterscheidet, ist einmal mehr das öffentliche und medial vermittelte Moralverständnis.

"Nur Gutes über die Toten" lehrt man hierzulande, eine Lektion, die auch bei mir trotz ihrem eigentlich fehlenden Sinn (ich nehme an, der Ursprung liegt darin, die Geister nicht erzürnen zu wollen) Spuren hinterlassen hat. Auch juristisch besteht mit der Figur der schützenswerten Totenehre eine entsprechende Regelung. Im Fall Havels wird auf all das offensichtlich Rücksicht genommen; die Nachrufe umfassen neben ehrlichem Bedauern auch Wohlwollen und klammern Probleme aus. Im Fall Kims... weniger.
Die berechtigte Kritik an der Regierung, die nach diesem Prinzip schon grenzwertig wäre, wird ergänzt durch Häme und Bosartigkeit. Seit Beginn der Todesberichte habe ich mehrere Teaser für Texte gesehen, die sich mit vorgeblichen seltsamen Hobbys und Perversionen des Diktators beschäftigen. Auch anscheinend seriösere Berichterstatter kommen nicht daran vorbei, ihre grundsätzliche Freude zu zeigen, daß ein Mensch gestorben ist.
Ergänzt wird der Spaß, kaum daß die Leiche kalt ist, durch Spekulationen über Krieg und Drohungen an das Land.

Es sind nur zwei beliebige Beispiele, herausgegriffen, weil sie zeitlich in der unmittelbaren Nähe liegen und den Kontrast gut verdeutlichen. Ein weiterer Fall, der mir zeigt, daß ich trotz aller Bemühungen nie ein wirkliches Verständnis für menschliche Konventionen entwickeln werde; ein Anreiz, es um so mehr zu versuchen. Gewöhnlich ist das Genre des Witzes, hier des privat vorgetragenen, dasjenige, dem Konventionsdruck entgegenzuwirken und frischen Toten den Nimbus abzunehmen. Wie aber steht es, wenn sich die Konvention verkehrt? Und wann tut sie das? Wo liegt die Grenze, ab der Kadavertrauer nicht mehr Pflicht sondern Verstoß ist, an der der Totenspott zur Bürgerpflicht wird? Das Beispiel Filbinger zeigt, daß nicht einmal weitgehende Eindeutigkeit vorherrscht. Vermutlich wäre der regelmäßige Test in der Praxis der einzige Weg, dazu wirklich Erkenntnisse zu sammeln, aber da habe ich doch angesichts zu erwartender starker Ablehnung noch meine Scheu.

Vielleicht frag ich mal im soziologischen Forschungsbereich nach. Bis dahin gilt angesichts der Unsicherheiten für mich, weiterbeobachten und im Zweifel "de mortuis nihil" - kein Wort über die frischen Toten, ob sie nun ein eher gutes oder schlechtes Lebenswerk hinterlassen.


P.S.: Danke an Herrn Schader für die Artikelempfehlung vor einigen Tagen, die mir einen für meine Verhältnisse dramatischen Leserstrom beschert hat.
21.12.11 15:16
 


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