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Kurze Betrachtung zu Harry Potter

Die Serie der Märchenromane der "Harry Potter"-Reihe begann vor etwas mehr als zehn Jahren und hatte, später auch in verfilmter Form, einen für Kinderbücher und generell literarisch ungewöhnlich großen Erfolg. Angesichts der Verkaufszahlen und des Fanverhaltens läßt sich wohl auch von einem Trend- oder Modephänomen sprechen, wenngleich ich hoffe, daß möglichst viele der Leser auf diesem Weg auch zu anderen Werken und Genres gefunden haben. Meiner instinktiven Vermeidung von Herdenverhalten entsprechend habe ich das Thema für lange Zeit komplett gemieden. Vor ungefähr einem Jahr und unter dem Eindruck, daß die Aufregung sich nach Ende der Reihe gelegt hat, habe ich mich zumindest einmal über den Wikipediaartikel auf den nötigen Informationsstand über ein gesellschaftlich relevantes Thema gebracht.
Es gibt manches, was mich mit diesen sporadischen Kenntnissen dazu bringen kann und wird, auch weiterhin das direkte Leseerlebnis zu meiden. Zum einen bin ich erziehungsbedingt etwas weniger auf europäische Märchen geprägt und gönne russischen und arabischen Werken mindestens genausoviel Raum, wenn mir einmal danach ist. Zum anderen stört mich der stumpfe Dualismus mit passendem moralischen Ausklang (das als Argument an diejenigen, die sich an der Einordnung als Märchen stören), der schon fast Grimm'sche Züge annimmt. Hier die Guten, da die Bösen, beide klar unterscheidbar. Erstere werden belohnt, letztere bestraft. Zwischen schwarz und weiß ist in diesem Weltbild wenig Raum, und soweit ich sehe, gibt es zum Schluß auch niemanden, den man nicht in eine der beiden Sparten einordnen könnte.

Ein weiterer Aspekt der Bücher bringt uns nun zweifelsfrei auf die politische Ebene und rechtfertigt den Eintrag an dieser Stelle. In großen Sozialwesen bilden sich Strukturen, eine Entwicklung, die auch bei einer wohl etwa hundert Schüler umfassenden Schule der Fall ist. Im Fall der Zauberschule der Märchenreihe sind diese Strukturen schon im groben vorgegeben und werden nicht in Frage gestellt. Zur Erläuterung für die Leser, die noch weniger mit dem Werk vertraut sind als ich, möchte ich sagen, daß, vielleicht im allgemeinen typisch für britische Internate, eine Einteilung in sogenannte "Häuser" besteht, Untereinheiten der Schülerschaft, die einen weitgehend geschlossenen Verband ermöglichen und das dauerhafte soziale Umfeld darstellen. Die Einteilung in diese Häuser, vier an der Zahl, erfolgt anhand der Einschätzung charakterlicher Merkmale und visionärer Fähigkeiten einer jedem Neuling kurz aufgesetzten Hut-Kreatur.
Ich könnte nun Namen nennen, aber ich glaube, die Umschreibung führt uns weiter, daher liste ich die Gegebenheit auf diese Weise auf: Es gibt das Haus, aus dem die Helden kommen, das Haus, aus dem die Schurken kommen, dasjenige für Kanonenfutter (vergleichbar mit den "Rothemden" der Star-Trek-Reihe), und das für unterhaltsame Trottel und Totalversager (die literarische Figur des Hanswurst kommt vielleicht auch in den Sinn, aber dafür fehlt zumeist die Bauernschläue). Der namensgebende Held der Reihe wird selbstverständlich in das erste der Genannten eingeteilt (wobei er die, seltene, Wahl hatte, sich auch dem Zweiten anzuschließen, also böse zu werden), ebenso alle anderen bedeutenden Protagonisten jenseits der Lehrerschaft.

Die gesellschaftliche wie auch, auf der Metaebene, literarische Funktion jedes Schülers ist somit vom ersten Schultag an festgelegt. Proteste, ganz zu schweigen von deren Erfolg, sind mir nicht im Gedächtnis. Ein allwissendes Wesen weist Kindern ihren weiteren Lebensweg zu. Diese tritt auch ein.
Ein interessantes Szenario. Fassen wir das Helden- und das Schurkenhaus zusammen, ergibt sich so etwas wie eine mittelalterlich-säkulare Ständeordnung aus Fürsten, Rittern und Bauern. Ich empfände es als durchaus wissenswert, auf welche Weise die verschiedenen Klassen (im schulischen wie marxschen Sinn) auf ihre Rollen vorbereitet; wie sie darin eingeführt und gefestigt werden. Informationen dazu habe ich keine, und ich nehme an, die Autorin beschränkt sich hierbei auch auf das Heldenhaus, in dem H. Potter und seinen Gefährten die heroische Geschichte und die damit verbundenen Werte vermittelt werden.
Die zu erwartende erhöhte Selbstmordrate im Haus der Versager tritt nicht ein, obwohl sie von jedem als solche behandelt werden und das Phänomen des Mobbings gut aufzeigen. Die Führungsrolle der Heldengemeinschaft im späteren Handlungsverlauf wird nicht von den Kämpfern in Frage gestellt. Die Rollen werden akzeptiert. Verinnerlicht. Gelebt.

Die meinem Eindruck nach reizvollste Randfigur ist ein Junge aus dem Haus der Versager, der genauso wie H. Potter die Voraussetzungen aufweist, "der Auserwählte" zu sein. Die Autorin nutzt ihn, um ein Exempel zu statuieren, indem sie ihn zu einer lachhaften Parodie Potters aufbaut, dessen weiterer Lebensweg als belanglos gelten darf. Er hatte einfach nicht das Zeug zu mehr - aber ab wann? Hier kommt die Frage ins Spiel, ob Prägung oder Veranlagung bei einem Menschen mehr bewirkt, etwas, das ich immer vehement zugunsten des ersteren beantworten würde. Wären also Potter und der andere Junge den jeweils anderen Häusern zugewiesen worden, ich glaube, ihre gesamten Rollen wären umgekehrt gewesen.

Die Autorin verzichtet auf einen dramaturgischen Kniff, gegen Ende der Reihe einen Außenseiter zum Helden werden zu lassen, während derjenige, der von Anfang an prädestiniert und vom Schicksal begünstigt schien, in der Bedeutungslosigkeit versinkt und behält den offensichtlichen Weg bei. Ein ungewohnter Schuß Realismus für ein Kinderbuch und ein Kontrast zu der Maxime, man könne unabhängig von den eigenen Voraussetzungen alles erreichen, was man will. Zugleich ist die Botschaft auch eine lähmende, da gegenüber einem festgefügten System aus Königen und Fußvolk kein revolutionärer Aspekt, auch nicht in kindgerechter Form, eingebracht wird, sei es nun ein erfolgreicher oder scheiternder. Am Ende hat sich nach dem Fall des Erzbösen nichts geändert und es geht weiter wie gehabt.

Politisch gesehen zielt das Werk auf ein resigniertes Lumpenproletariat ab, das sich mit dem zufriedengibt, was ihm zugestanden wird. Wir alle bekommen irgendwann unseren Hut aufgesetzt. Die Frage ist jedoch, ob das reine Überleben wirklich das einzige Ziel sein sollte.
12.2.12 17:45
 


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