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Schurkisch

Das Leben gibt mir, wenn auch sonst nicht viel, Zeit zum Nachdenken in diesem selbstgeschaffenen Kerker, den ich in seltenen helleren Momenten mein Zuhause nenne. Manchmal, auch wenn ich es zu vermeiden versuche, denke ich über mich selbst nach.
Fernsehen und Bücher haben ihren Teil daran, wie ich großgeworden bin, und damit auch an meiner Weltsicht. Ich ordne Dinge in dramaturgische Schemen, die unsere Zeit vorgibt. Die Antwort auf den Sinn des (eigenen wie allgemeinen) Lebens, sofern so etwas existiert, die andere in Religion oder Naturwissenschaft suchen, bemühe ich (wenn ich derartiges nicht gerade generell verneine) mit der Logik der Unterhaltungsbranche zu lösen. Die Erde als periodische Veröffentlichung auf dem Ramschtisch oder im Vorabendprogramm. Welche Rolle habe ich in diesem kleinen Spiel?
Eine wichtige ist es sicher nicht, nicht einmal in meinem eigenen Leben. Ich bin eher stiller Beobachter als Akteur, nicht weit von Statistentum entfernt. Dafür wiederum bin ich dann aber auch zu tiefgreifend gestaltet; etwas einfacheres reichte für den Zweck aus.
Ich sehe mein Leben, ich sehe meinen Verfall. Brachliegendes und vergehendes geistiges Potential; körperlicher Niedergang. Unterordnung bis zur Selbstschädigung. Unterdrückte, brennende Wut; mentale Instabilität, die von außen selten wahrzunehmen ist. Der sukzessive Rückzug von allen, denen ich wichtig war, zunehmendes allgemeines Abkapseln von dieser Welt. Schleichender Wahn.
Das einzige, was zu passen scheint, ist die Figur des retrospektiv betrachteten, tragischen Schurken, der sich auf einen, fulminanten Auftritt beschränkt. Vor einer Woche bin ich, ich glaube zum zweiten mal in meinem Leben, im direkten Gespräch als boshaft bezeichnet worden, diesmal von jemandem, der mich zumindest ein wenig kennen könnte. Eigentlich nichts, das ich bestätigen möchte, aber vielleicht bin ich voreingenommen.
Sofern die dramaturgische Person paßt, etwas, das in Heldenepen und Katastrophendramen unvermeidlich ist, könnte ich mich bereits in einem späteren Stadium aufhalten, in dem nur noch der Anlaß fehlt. Ebenso ist es natürlich möglich, vielleicht wahrscheinlicher, daß ich nur dabei bin, in die Sinnlosigkeit eines durch mich ruinierten Daseins noch irgendetwas hineinzuinterpretieren, das mir ein wenig Wichtigkeit zugesteht. Mag sein, daß dieses Gesülze nur Selbstmitleid und leise Machtphantasie darstellt.
Brauche noch mehr Zeit zum Nachdenken. Alle Tage wieder Sehnsucht nach der Zeit, als ich noch etwas hatte, das die Bezeichnung Leben verdient, und der Wunsch danach, daß die Misere, die an dessen Stelle getreten ist, aufhört. Ruhe. Schlaf. Hab das Telefon gezogen. Happy Birthday sagt man wohl.
6.3.12 00:02
 


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