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Vergeßliches Internet

"Das Internet vergißt nicht", lautet eine Redewendung unserer Tage. Grundlage der Annahme ist der Umstand, daß, in speziellen Caches, Backups oder nicht neubelegten Serverabschnitten, Rudimente alter Netzinhalte bestehen bleiben und somit ein potentiell allgemeiner ewiger Zugriff gewährleistet bleibt. In der bildlichen Vorstellung handelt es sich um das Langzeitgedächtnis des Netzes, das ein wenig von allem behält, was einmal darin war, und durch geringen Datenverfall und Rückholmaßnahmen wenig fehleranfällig ist.
Ein solches Gedächtnis existiert nicht. Daten, und nichts anderes sind sämtliche Informationen des Internets bis zum einzelnen Bildpunkt, sind physisch. Jede Datei braucht einen Ort, an dem sie abgespeichert ist, um abrufbar zu bleiben, einen Datenträger. In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir einen deutlichen Anstieg der Kapazitäten erlebt, der den Bedarf problemlos übererfüllen konnte. Speicherplatz konnte in höherem Maß neu zur Verfügung gestellt werden als er abgefragt wurde, was zu sinkendem Preis und freierer Nutzung führte. Schlüssel hierzu waren neben der vergrößerten Zahl auch neue technologische Verfahren zur effektiveren Speicherung. Letztere Möglichkeit ist nach Profieinschätzung rückläufig; Aufwand und Dauer, eine Verdoppelung der Speicherdichte zu erreichen, steigen. Somit wird eher die quantitative Lösung an Bedeutung gewinnen, der Einsatz von mehr Speichergeräten. Der Kostenanstieg hierbei ist konstant bis leicht steigend, eine Begrenzung auch durch Infrastruktur, Ressourcen und Verschleiß gegeben, wodurch die Wachstumsgeschwindigkeit abnimmt.
Auf der anderen Seite steht die Menge der Daten. Im optimistischen Fall ist diese linear steigend; heute kommt die gleiche Menge Daten ins Netz wie gestern, und morgen wird das auch wieder so sein. Der Umstieg auf größere Formate, begünstigt durch schnellere Verbindungsarten, wie auch intensivere Nutzung, bewirkte auch hier bislang eher einen Anstieg. Gehen wir, wie die Eingangsaussage andeutet, davon aus, daß einige täglich erscheinenden Daten erhalten bleiben und Duplikation stattfindet, ergibt sich ein stetiges Wachstum.
Wir kommen also auf einen wachsenden Bedarf bei potentiell eher stagnierendem Angebot. Die logische Folge daraus ist Verknappung und damit Wertsteigerung. Zunächst drückt sich das im materiellen Wert aus, indem die Zeiten kostenlosen oder kostengünstigen Speicherangeboten ein vorübergehender Luxus sind. Daraus ergibt sich eine ideelle Wertsteigerung, indem ausgewählt wird, welche Dateien notwendig sind und bleiben. Insbesondere der Bereich der kaum mehr aktiv genutzten, archivierten Daten liefert Einsparpotentiale, die in der entsprechenden Lage genutzt werden. Welche Usenetdebatten sind noch von neuhistorischem Interesse, welche Videos aus der Frühphase von Youtube, welche Caches von Fanforen? Und wo wäre der Speicherplatz besser für aktuelle Projekte aufgehoben?
Es wird eine zunächst schleichende Entwicklung, die die Vergangenheit des Internets bereinigt, aber sie wird sich beschleunigen. Genauso wie unsereins seinerzeit die Entscheidung getroffen hat, ob man nun ein altes, nie genutztes Backrezept von der Diskette löscht, um Platz für ein lustiges jpeg zu machen (das dann später wiederum Platz machen mußte), anstatt eine neue Packung zu kaufen, und das Datenjonglieren im Privaten langsam wieder einsetzt, werden sich auch die Tiefen des Netzes nicht als unerschöpflich erweisen.
Mag sein, daß große Seiten und Unternehmen sich länger widersetzen können, aber wir werden es noch erleben, daß Internetseiten nach zehn, fünf, vielleicht sogar drei oder zwei Jahren nirgends mehr in der ursprünglichen Form zu finden sein werden. Das Internet wird seine Vergangenheit zugunsten seiner Gegenwart aufgeben. Um nicht unter Erinnerungen bis zur Bewegungsunfähigkeit begraben zu werden, wird es dement.
Natürlich ist das jetzt kein Aufruf, peinliche Begebenheiten bedenkenlos zu hinterlassen. ;-)

Das alles würde nicht mehr gelten, sofern gänzlich neue Speichertechnologien eröffnet werden. Der Umstieg vom maschinellen zum biologischen Konzept dürfte eine längere Pause im Trend bieten, und die Erreichung tatsächlich virtueller Speichermethoden würde jedem diesbezüglichen Mangel ein Ende bereiten. Aber das klingt mir dann doch alles zu sehr nach Science Fiction.

Noch ohne übergroße Gedächtnislücken (glaube ich), Euer Politskunk Jerry
28.5.12 11:38
 


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