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Still geworden / Medium im Wandel

Hallo nach langer Zeit einmal wieder. Wie man merkt, gibt es hier kaum noch neues zu lesen. In einem radikalen Schnitt im Interesse meiner zunehmend überlasteten Nerven habe ich vor einigen Monaten das Thema Politik und alles, was in engerer Form damit zusammenhängt, aus meinem Leben verbannt. Keine Nachrichten, keine Information über irgendwelche Internetseiten, die sich mit aktuellen Themen befassen, keine Gespräche in diese Richtung. Daß im Mai Landtagswahlen stattgefunden haben, hatte ich noch am Rande mitbekommen, danach ist nur noch ein weißer Fleck. Ich hoffe, ich kann das so beibehalten.
Für diesen Blog heißt das natürlich, daß das abgetippte Material drastisch zurückgeht. Eventuell schade für die ein, zwei Leute, die hier noch regelmäßig auf frische Kost hoffen.

Einen kurzen Gedankengang, der mir gerade durch den Schädel gespukt ist, möchte ich euch aber dennoch noch mit auf den Weg geben.
Vor zwei, drei, vier Jahrhunderten war das Theater das, was man wohl heutzutage mit abwertender Intention als Unterschichtenmedium bezeichnen würde. Die meisten geschaffenen Werke waren unbestritten auf Massenzuspruch aus und verwendeten in großem Rahmen Elemente, die hierauf abzielten. Große Mengen von Gewalt, vorzugsweise im effektreichen Schwert- und Degenkampf, Nacktheit und Sexualität in allen Erscheinungsformen, das fast erzwungene Einbringen einer "komischen Person", flache Handlungen, die die gewohnten Lebenskonflikte bedienten. Das alles gilt nicht nur für fahrende Schauleute, sondern genauso für das Programm in festen Häusern. Einige Klassiker aus heutiger Sicht weisen diese Merkmale reichlich auf (den Verweis auf William Shakespeare kann ich mir nicht verkneifen).
Irgendwann hat sich das geändert. Auch wenn wohl im künstlerischen Metiér vorzugsweise davon ausgegangen würde, daß das gestiegene Niveau den "Pöbel" verscheucht hätte, gehe ich eher davon aus, daß mit dem Abwandern des Publikums (ich würde spontan einen Zusammenhang mit dem großen Aufkommen von Lichtspielhäusern vermuten; falls es schon früher in die Richtung ging, wurde vielleicht anderweitig das Wasser abgegraben) eine Nischenposition gesichert werden mußte, und man das mittels der Schaffung eines hochkulturellen Prestigeerlebnisses zu schaffen gedachte. Die Stehplätze im Parkett wurden abgeschafft, die Preise sicher nicht nur aus finanziellen Erwägungen angehoben und das Programm darauf eingestellt.
Heute ist (wie immer vom Kindertheater abgesehen, das sich seinen klassischen Charakter bewahrt hat) die Theaterlandschaft aufgeteilt in die Aufführung derjenigen älteren Stücke, die heute unverdächtig sind, leichte Kost darzustellen, und Avantgardismus. In beiden Fällen läßt sich der Konsumentenkreis auf spezielle Liebhaber des Themas und Personen, die ihren sozialen Status damit erhöhen oder sichern, beschränken.

Lange Einleitung, kurze These: Ich kann mir vorstellen, das Fernsehen wird die gleiche Entwicklung nehmen.
In Zeiten des Internets verliert das stärkste Medium der letzten drei Jahrzehnte beständig an Zuspruch. Einschränkungen in dem, was und wann man konsumieren kann, stärkere Präsenz von zur Finanzierung benötigter Werbung, die Notwendigkeit, ein zusätzliches Gerät zu besitzen, die geringere Gelegenheit, anbei andere Tätigkeiten auszuüben. Nachteile gegenüber dem jüngeren Medium (das, wie ich anmerken möchte, eines Tages auch durch eine andere Entwicklung überholt wird). Die derzeitigen Vorteile des Fernsehens, Exklusivität und höhere technische Qualität, sind rückläufig und bald keine mehr. Im Gegensatz zum Radio konnte sich beim Fernsehen keine generationsübergreifende Nebenbeikultur entwickeln, die es im großen Maßstab halten würde.
Das Medium Fernsehen als ganzes muß, wenn es auf Dauer bleiben möchte, den gleichen Schritt gehen wie die oben erwähnten Theater (oder um ein neueres Beispiel zu wählen, Schallplattenspieler). Es muß sich zu einer kulturellen Wertmarke entwickeln, deren Konsum für gehobenen Geschmack und Kultiviertheit spricht.
Die aktuell entgegengesetzte Entwicklung durch zunehmend lautstarkes, aggressives Ansprechen von Primärimpulsen ist in diesem Zusammenhang nur eine Übergangsphase, bis bemerkt wird, daß erfolgreiches Überleben so nicht funktioniert. Sie könnte natürlich langfristig Schaden anrichten und den notwendigen Weg zum Erfolg in der Nische erschweren. Trotzdem halte ich es für gut möglich, daß wir noch alt genug werden, das mitzuerleben, und in den Salons der Reichen zum krönenden Abschluß eines Gesellschaftsabends das Röhrengerät warmläuft, um filmische Klassiker (durchaus auch aus der jetzigen Gegenwart) und avantgardistische Kunst zu zeigen.

Das wärs dann mal wieder auf unbestimmte Zeit.
Euer Politskunk Jerry
19.8.12 12:33
 


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