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Informationsblase 2013 - eine Kurzchronik

Hallo einmal wieder zu ein paar Zeilen nach und vor langem Schweigen.
Zu Jahresbeginn habe ich den Vorsatz gefaßt, ein kleines Selbstexperiment zu begehen: Ist es möglich, bei einem einigermaßen normalen Tagesablauf das Wahlergebnis zum Bundestag nicht zu erfahren? Das Ergebnis ist gemischt, könnte aber zur Nachahmung oder Wiederholung einladen.

Am fraglichen Wahlabend habe ich meine Zeit mit Tätigkeiten für mich selbst verbracht, in diesem Fall einigen Stunden Konsolenspiel, wodurch es relativ einfach war, Nachrichten jeder Art aus dem Weg zu gehen. Den darauffolgenden Montag habe ich mich bemüht, Gesprächen eher aus dem Weg zu gehen, um nicht mit dem vermutlich allesbeherrschenden Thema in Kontakt zu kommen. Die Bilanz dieses Tages beruht darauf, daß ein flüchtiger Bekannter mir gegenüber seine Unzufriedenheit zum Ausdruck gebracht hat (da ich seinen Standpunkt nicht kenne, keine tatsächliche Information) und ich abends kurz auf der Startseite des Netzlexikons Wikipedia das Bild Angela Merkels gesehen hatte, die ich somit als voraussichtliche Kanzlerin vermute. Der Dienstag hat das erste wirkliche Leck in meinen Panzer geschlagen, als ich im Vorrübergehen einen Radiokommentar aufgeschnappt habe, der auf einen Nichteinzug der FDP ins Parlament hindeutet. Zudem meinte jemand, mir gegenüber erwähnen zu müssen, daß die SPD "Mist gebaut" habe, was mich auf Stimmenverluste schließen ließ. Am Mittwoch kamen keine weiteren Neuigkeiten dazu. Eine weitere kurze Unterhaltung, in der ich das Thema Tagespolitik nicht vollständig umgehen konnte, brachte am Donnerstag anscheinende Bestätigung für das Ausscheiden der FDP, jedoch Verneinung von SPD-Verlusten. Hier führte der Freitag zu weiterem Verständnis, als ich, nachdem ich mich wieder stärker ins deutschsprachige Internet getraut habe, einen Hinweis auf eine CDU/CSU-SPD-Koalition fand. Das folgende Wochenende sowie den Montag darauf konnte ich erneut angenehm informationsfrei gestalten. Am Dienstag habe ich die gesammelten Bruchstücke noch ein wenig im Gespräch vertieft, jedoch ohne weitere hinzuzufügen.
Heute, eineinhalb Wochen nach der Wahl habe ich nun noch das Wissen eingesammelt, daß keine neue Partei den Parlamentseinzug erreicht hat.

Ursprünglich war meine Absicht, zwei Wochen ohne jedes Wissen auszukommen. Das hat nicht ganz funktioniert. Das, was ich stattdessen erlebt habe, möchte ich aber auch nicht als schlecht beschreiben. Information fließt in niedriger Dosierung auf mich ein, nach jedem Schritt habe ich Gelegenheit, das Erfahrene zu überdenken und einzuordnen und mich mit der Möglichkeit, immer im Konjunktiv, auseinanderzusetzen.
Es ist ein Kontrast zu unserer Zeit der Sofortinformation, in der alles sofort zu verbreiten und empfangen ist. Gerade ein Schritt gegen diese Attitüde war meine Absicht und ist erreicht. Ich werde das Tempo beibehalten, irgendwann in den nächsten Tagen vielleicht nachsehen, wer das hiesige Direktmandat gewonnen hat, und mir die prozentualen Ergebnisse in ihrer Gesamtheit noch ein wenig aufheben.

Es ist ungewohnt, und ein wenig Nervosität angesichts der Tatsache, daß da draußen als wichtig zu beschreibende Information ist, die ich mir vorenthalte, habe ich auch empfunden. Nichtsdestotrotz würde ich es wieder tun, vielleicht schon in vier Jahren (bzw. zur Landtagswahl im nächsten Jahr).


Ein paar kleine Anmerkungen abseits des Grundthemas noch.
Ich bin gestern auf ein paar Zeilen zum Thema Wahlenthaltung gestoßen. Persönlich betrachte ich das freie Wahlrecht als wichtig, auch wenn ich es nicht in Form der Nichtwahl praktiziere, und respektiere jeden, der auch versteht, was er da tut. Eine Wahlenthaltung, wie auch die gezielt ungültige Abstimmung, ist zu vergleichen mit den Worten "Schatz, heute machen wir mal, was du willst" in einer Partnerschaft. Es stärkt die Entscheidungsmacht des Gegenübers, in diesem Fall des restlichen Volkes, auf Kosten der eigenen, da man diesem zutraut, die passende Entscheidung zu treffen.
Eine nichtabgegebene Stimme ist eine Stimme für das Wahlergebnis, egal wie es ausfallen mag, und ein Ausdruck demokratischen Vertrauens.
Folgerichtig ist das nach vielen Wahlen zu hörende Argument, daß nur xy% der Bevölkerung für die künftige Regierung gestimmt haben, unbrauchbar. Viel passender ist die Aussage, daß nur yx% gegen die diese Regierung bildenden Parteien gestimmt haben.
Realistisch betrachtet muß man natürlich sagen, daß die Motivation zur Wahlenthaltung meist eine andere ist.

Desweiteren denke ich darüber nach, in ein paar Wochen mal ein paar Zeilen an die dann bestehenden Regierungsfraktionen zu tippen, um die Formulierung für das Bekenntnis zur Verfassungstreue im öffentlichen Dienst abzuschwächen. Ein dauerhaftes aktives Eintreten für die Werte der Verfassung, wie es bislang gefordert wird, scheint mir zu viel verlangt. Die fraglichen Werte zu respektieren und ihnen nicht entgegenzuwirken hielte ich für eine bessere Variante.
Zumindest für diejenigen, die nicht von der eigenen Unfehlbarkeit und ihrer naturgegebenen Verfassungstreue unabhängig eigener Einstellungen überzeugt sind...


Bis irgendwann, vielleicht. Die Jahre haben mich zu müde gemacht, um mich noch ständig geistig und emotional mit Politik auseinanderzusetzen, was den Gehalt dieses Blogs sehr schmälert. Und zudem ist mir mit Lothar Bisky kürzlich mein politisches Vorbild gestorben, und ein weiteres Stückchen Motivation, sich damit zu beschäftigen.

In selbstgewählter Unmündigkeit
Euer Politskunk Jerry
2.10.13 16:10
 


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