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ESC-Nachgedanken

Hallo an diejenigen Leser, die mich noch nicht gänzlich für tot erklärt haben und nach dem unfreiwilligen Rück-Umzug des Blogs auch wieder hierher gefunden haben.
In den letzten Jahren hat sich die politische Lage nicht zum besseren gewandelt, und meine nervliche Fähigkeit, mich noch damit auseinanderzusetzen, ebensowenig. Ich bin immer mehr bemüht, das Thema Politik aus meinem Leben herauszuhalten, und abgesehen von gelegentlichen Wahngedanken wie meiner wachsenden Zuneigung für die innerdeutsche Grenzziehung vor 1804 funktioniert das auch einigermaßen (was nicht bedeutet, daß ich nicht zumindest meinen kreuzförmigen Teil Schadensbegrenzung im Herbst betreiben werde).

In diesem Sinne ist meine alljährliche Geschmacksverirrung des Liederwettbewerbs der Eurovision sicher nicht die schlechteste Adresse. Auch meine, berechtigte, Sorge des letzten Jahres, daß ein emotionales Siegerlied über Kriegsleiden zum politischen Vehikel in der Gegenwartsdiskussion wird (was das einzige war, das mir den ukrainischen Sieg etwas verbittert hatte) und eine Veranstaltung, bei der im Vorfeld wie im Ablauf die Lage ihren Schatten geworfen hat, konnten doch letztlich den Abend nicht verderben.

Für diesen Zweck waren stattdessen die drei ukrainischen Moderatoren da.

Wenn ich ein Thema dieses Jahres nennen sollte, dann würde ich noch mehr als sonst sagen, Tolle Sänger, schlechte Lieder. Niederlande, Kroatien, Großbritannien, Deutschland, Irland, insbesondere die Schweiz und diverse andere, die mir gerade nicht einfallen, immer wieder hatte ich das Gefühl, daß großartiges Stimmpotential mit Titeln verschenkt wurde, die bestenfalls belanglos und langweilig waren, häufiger noch nur im Suff erträglich. Ausnehmen möchte ich hiervon nur den spanischen Titel, der passend zur schlechten Liedqualität auch auf schlechte Sänger gesetzt hat, und für den jeder der endgültigen fünf Punkte einer zu viel war.

Etwas geärgert hatte mich die Startreihenfolge, bei der mir klar war, daß alle Titel, die mich reizen, in der vorderen Hälfte gedrängt waren, ich also an der zweiten Veranstaltungshälfte keine Freude haben würde.
Dankenswerterweise war im Finale die Tontechnik etwas besser eingestellt, die in den Halbfinales noch den Bühnenklang in der Hintergrundmusik ertränkt hatte, wodurch man bei einigen Titeln kaum überhaupt die Stimmen oder gespielten Instrumente (das finnische Klavier hat es besonders getroffen) heraushören konnte.

Ansonsten gab es Unmengen an Synthetikpop, für den Länder wie Dänemark oder Griechenland ja schon beinahe berüchtigt sind, Klänge aus der Retorte. Lieder wie die von Israel habe ich schon beim Hören wieder vergessen, und bei Bulgarien war mir nur im Gedächtnis geblieben, daß der Sänger beängstigenderweise nur halb so alt ist wie ich.

Und es gab Salvador Sobral.

Der portugiesische Siegertitel ist einer, für den ich mich schrittweise erwärmen mußte. Im ersten Halbfinale war das Lied, das auch gut auf einer Schellackplatte der 20er seinen Platz finden könnte, noch ein Kuriosum für mich, das nur den Reiz des Paradiesvogels hatte, in den Folgetagen zählte es zu denen, die mir im Gedächtnis geblieben sind (was auch daran lag, daß im zweiten Halbfinale nun wirklich fast nichts war, das ich als hörenswert betrachtete).
Am Finalabend hatte sich der Titel in meine Top 3 geschlichen, hinter die (wie erwähnt leider einfallslosen, aber trotzdem sehr guten) Harmoniegesänge aus den Niederlanden und den atemberaubenden, abstrakten Sinnesansturm aus Aserbaidschan.
Heute, einen Tag nach der Veranstaltung, würde ich überzeugt sagen, das richtige Lied hat gewonnen.
Es ist erstaunlich, wie ein so ruhiges, fast schüchternes Lied so polarisierend wirken kann, aber es ist letztlich eines, das man liebt oder haßt, und etwas anderes als diese beiden Reaktionen habe ich nicht zu sehen bekommen. Ein Stück, bei dem der Künstler für sich singt und eigentlich nur zufällig auf der Bühne steht. Mehr noch als Lena Meyer-Landruths Erfolg vor ein paar Jahren ein Kontrapunkt zur Professionalität.
Spätestens mit der Aussage, daß hier echte Musik über Wegwerfware gesiegt hat, hat sich Sobral meine Sympathie gesichert.

Ich finds toll.

Daß ein solches Lied gerade im Hochglanzwettbewerb ESC europaweit Begeisterung wecken kann, ist einer der Lichtblicke, die noch ein wenig Hoffnung in einer dem Wahnsinn verfallenden Welt lassen.
Vermutlich sollte es mir zu denken geben, daß ich nicht ganz so weit neben dem Massengeschmack liege, wie ich das gewohnt bin. Werd wohl langsam wirklich alt.
Aber ansonsten, Hauptsache das rumänische Jodellied hats nicht geschafft. ;-)

In diesem Sinne, bis in unbestimmte Zukunft an dieser Stelle wieder.

Verbittert, verängstigt, und ausnahmsweise doch mal wieder ein bißchen fröhlich
Euer Politskunk Jerry

14.5.17 23:13
 


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